VATICAN-magazin

kostenlose Leseprobe

Foto-Essay

Ein Schatz nicht von Gold

Benno von Meißen – Nach Jahrhunderten der Verleumdung wird der Heilige nun ausgerechnet vom Freistaat Sachsen in einer prachtvollen Ausstellung rehabiliert.

Fotos und Text: Paul Badde (ewtn.tv)

Stadtansicht von Meißen. Franz Hogenberg 1570.

Benno von Meißen (1010–1106) war ein Versöhner. Außerdem ist er Sachsens erster – und bislang letzter – Heiliger. Das Elbtal verdankt ihm den Weinbau. Die römisch-katholische Kirche verdankte ihm damals die Verteidigung der Freiheit, die ihr im Investiturstreit von den Kaisern des „Heiligen Römischen Reiches“ so streitig gemacht wurde wie heute von den Herrschern Chinas oder dem Zeitgeist des Westens. Dennoch vermittelte der widerständige Benno auch zwischen Heinrich IV., der ihn im September 1075 unter der Beschuldigung des Hochverrats gefangen gesetzt hatte, und dessen oppositionellen sächsischen Bischöfen. Der „Apostel der Wenden“ hat sich auch um die Eingliederung der Slawen an der Elbe und der Ostsee in den deutschen Kulturraum des katholischen Westens bemüht und ihm werden Ortsgründungen wie Bischofswerda und Bischheim zugeschrieben und die Anlage der Via Regia, die in der Oberlausitz „Bischofsweg“ genannt wird, den er bis ins hohe Alter auf seinen stetigen Missionsreisen zu Fuß bereist haben soll. Benno war unermüdlich bis zu seinem Tod.

Weil er aber nicht gleich wie Johannes Paul II. nach seinem Tod, sondern erst am 31. Mai 1523 von Hadrian VI. in Rom „zur Ehre der Altäre erhoben“ wurde, verleumdete Martin Luther ihn flugs in einer Flugschrift mit dem Titel „Wider den neuen Abgott und alten Teufel“ als neuen Götzen der Päpste in Rom. Danach wurde das Hochgrab Bennos auf dem Meißener Domberg schon im Juli 1524 in Stücke gehauen. Ein Teil seiner Gebeine, die in die Elbe geworfen werden sollten, waren vorher allerdings von unbekannter Hand gerettet und 1576 in das katholisch gebliebene München gebracht worden, wo sie in den Jahrhunderten danach im Liebfrauendom als kostbare Reliquien verehrt wurden – wo diese Verehrung in unserer Zeit allerdings auch wieder wie ein Rinnsal in der Wüste versiegt. Im Freistaat Sachsen hingegen gehören inzwischen nur noch rund neunzehn Prozent der Bevölkerung der evangelischen Kirche an und 3,7 Prozent den Katholiken.

Die so genannte Mitra von Bischof Benno.

Damit ist das kleine Land des heiligen Benno heute gleichsam zu einem Modell des ganzen modernen Europa geworden, das so lange einmal von dem Glauben an die Menschwerdung Gottes wie von keiner anderen Kraft geprägt worden ist. Für eben diese Gestaltungskraft der katholischen Kirche als Ferment des Abendlands aber könnte Bischof Benno heute noch als „vorbildlich“ gelten, erfahren wie wir nun bis zum 5. November in einer Ausstellung in Meißen, die ganz dem so lange verschmähten Heiligen gewidmet ist.

Fast dürfen wir uns dieses Ereignis deshalb als ein kleines spätes Wunder Bennos vorstellen, wenn nun ausgerechnet der Freistaat Sachsen in der Meißener Albrechtsburg mit herrlichen Exponaten aus ganz Europa darstellt, was das ist, ein Heiliger: Ein Mann Gottes, der auf geheimnisvolle Weise nicht altern will und Zeitgenosse der Menschen auf ewig bleibt. Es ist ein betörender Schatz um das Andenken Bennos, der nun an seinem Bischofssitz in Meißen für diese Sonderausstellung in der Albrechtsburg versammelt wurde, die neben der evangelischen Kathedrale als „Wiege Sachsens“ und ältester Schlossbau Deutschlands gilt, wo nun mit bischöflichem Krummstab, uralten Mitren, seidenen Kaseln, handgeschriebenen Pergamenten, Flugblättern vom Beginn des Gutenbergzeitalters sowie Gemälden, Reliquiaren und einer überirdisch kostbaren Monstranz aus dem Jahr 1520 der goldene Faden der Erinnerung des Abendlands noch einmal nachgesponnen wird. Während gerade ganz Europa vom Vergessen seiner Ursprünge heimgesucht wird wie die Bevölkerung Sachsens nach der bleiernen Epoche zweier gottloser Diktaturen strahlt der Heilige nun plötzlich und ausgerechnet in Meißen noch einmal wie ein Leuchtturm ins dritte Jahrtausend hinein, wo Benno die Deutschen nun – endlich – ein wenig mit ihrer langen Vergangenheit versöhnt.

Papst Leo X. über die Heiligsprechung Bischof Bennos.
Martin Luther vom heiligen Geist erleuchtet – in einer Druckschrift von 1520.
Kasel Bischof Bennos II.
Altarbild aus dem – längst evangelischen – Meißener Dom
Mitra aus der Münchener Frauenkirche

Sie lesen die Vorschau

e-paper-abo

Schließen Sie jetzt ein E-Paper-Abo ab, um vollen Zugriff auf alle Artikel zu erhalten

Abonnieren

print + e-paper-abo

Schließen Sie jetzt ein Printabo ab mit E-Paper-Zugriff auf alle Artikel.

Abonnieren

einzelausgabe

Kaufen Sie diese Ausgabe als E-Paper-Einzelheft und bezahlen Sie bequem per PayPal.

kaufen

Sie lesen die Vorschau

abonnieren

Schließen Sie jetzt ein E-Paper-Abo ab, um vollen Zugriff auf alle Artikel zu erhalten

Abonnieren

einloggen

einzelausgabe

Kaufen Sie diese Ausgabe als E-Paper-Einzelheft und bezahlen Sie bequem per PayPal.

kaufen