VATICAN-magazin

Von Mahl zu Mahl

Heute: „PORTO – fish & chips“
Via Crescenzio, 56
00193 Roma
Tel.: (0039)06 / 455 057 97

Wie Jerusalem ist auch Rom eine Hafenstadt des Himmels. Dennoch liegt Rom nicht am Meer, wie manche Pilger und Touristen immer noch glauben, wenn sie an Roms Hauptbahnhof einen Bus oder eine Straßenbahn zum Hafen suchen. Rom hat keine Kais, wo morgens tuckernde Fischkutter anlegen. Das vermissen auch wir armen Ritter von der christlichen Seefahrt natürlich hin und wieder recht schmerzlich. Da hatte es das „Porto“ mitten in der Stadt diesmal recht leicht, uns über seine Schwelle zu locken. Ahoi! Hier wollen wir Segel setzen ins neue Jahr 2018, das für uns, wie es bei Seeleuten so ist, auch mit einigen Abschieden beginnt. Hans Conrad Zander serviert hier sein letztes Filet und legt dabei Papst Pius IX. für uns auf den Grill, als extrem knusprige Geschicht’. Oliver Maksan gibt jetzt seinen Posten als unser Beobachter des Nahen Ostens auf, weil er sich nun voll dem Umbau der „Tagespost“ widmen muss und will. Von 2012 bis 2016 war er der Korrespondent dieser Zeitung in Jerusalem und jetzt, wo er uns verlässt, besucht uns Jerusalem plötzlich als brandheißes Thema weltweit und überall zuhause. Damit ist unsere erste Titelgeschichte dieses Jahres schon eingetütet: Yerushalayim, Al Kuds, die unteilbare geteilte Heilige!

Bevor wir aber die Antipasti kommen lassen, sehen wir, dass es in diesem „Hafen“ anders zugeht als üblicherweise in unseren Konferenz-Lokalen. Denn auch hier gibt es wieder eine recht unübersichtlich reiches Buffet, wo wir riesige Teller mit allen möglichen Leckereien vollladen, die sich selbst auf den smartphone-Fotos, die wir zur Kontrolle machen, im Nachhinein kaum noch auseinander halten lassen. Wir erkennen Linsen wieder, eingelegte Pilze, Pizzastücke, Polenta mit verschiedenen Soßen, geschmorte Paprika und was weiß ich noch alles. Bevor wir alles auf haben, ist die Hälfte schon kalt und der Chef schon satt und muss raus vor die Tür eine rauchen gehen. Der Fluch des Buffets, dessen Geheimnisse wir nicht beherrschen, hält den Laden jedoch nicht davon ab, dass er mit jedem Bissen, den wir verschlingen, so voll läuft wie die Titanic nach ihrem Rendezvous mit dem Eisberg. Dazu ständig Musik, zu laut für unsereins und unser Alter. Es gibt einen neuen Trend zum Keller in Rom, sehen wir hier – und zum Verlust der klassischen Gegliedertheit unserer normalen italienischen Mittagsmähler, in einen Avanti-Pasto, einen ersten Gang mit Pasta, einen zweiten mit Fisch oder Fleisch vor dem Dessert und danach vielleicht noch einen Teller mit Obst und Kaffee. Leider gibt es hier auch keinen offenen Wein, sondern nur Flaschen. Doch da wollen wir nicht meckern mit einem eleganten Müller Thurgau aus Südtirol.

Welchen Abschied haben wir sonst noch zu vermelden? Muselmanen des Wüsten-Emirats Abu Dhabi haben Leonardo da Vincis Erlöser der Welt für eine halbe Milliarde Silberlinge ersteigert, den wir im letzten Heft noch vorgestellt haben. Da können wir nur das Glas darauf heben, dass das Urbild dieser Kopie Gottseidank immer noch zwei Autostunden von Rom ohne jede Eintrittsgebühr in einem Kapuzinerkirchlein der Abruzzen auf jeden frommen Pilger wartet, der sich von allen Fake-News nicht beirren lässt.

Wir sitzen zu dicht an der Tür, die immer neue Gäste immer neu offen lassen. Es zieht wie Hechtsuppe. Wie in einer undichten Kombüse auf hoher See in diesem Keller in der Mitte Roms. Die Kellner haben den Charme von Leichtmatrosen. Der Chef hat auf den Secondo verzichtet. Weil ein primo ohne secondo aber keinen rechten Sinn ergeben will, lassen wir noch eine „Millefoglie di Orata guarnita con pistacchi“ kommen und hätten es auch sein lassen können. Ziemlich trockene Geschicht’!

Kulinarisch war dieser „Hafen“ nicht wirklich unser Ding. Auch gut. Zumindest in dieser Hinsicht kann es jetzt also zwölf Monate lang wieder nur einmal steil aufwärts gehen. „Ein Schiff wird kommen und unsre Sehnsucht stillen....“. Als saftigen Nachtisch gönnen wir uns deshalb aber auch jetzt schon einmal den keuschesten Witz aus der Hamburger Herbertstraße: Da sitzt die Oma mit ihrer Enkelin beim Sockenstopfen vor’m Fenster und Oma sagt: „Eins darfst Du nie vergessen, mein Kleines. Im Leben jeder Frau gibt es immer nur eine wahre Liebe!“ – „Ja, Oma? Was war denn deine Liebe?“ fragt die Enkelin neugierig. „Ach, Kindchen“, seufzt Oma da nur: „Matrosen, Matrosen!“


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