VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: „L’Archetto dal 1992“
Via Germanico,10
00192 Roma
Telefon: (0039) 06 / 323 11 63
Samstags und sonntags nur am Abend

Hundert Jahre Sonnenwunder in Fatima! Um das zu feiern, lässt sich kein Lokal finden, das diesem Anlass gerecht wird. Darum wollen wir die Suche danach erst gar nicht versuchen. „Ich habe das ,Sonnenwunder’ gesehen, das ist die reine Wahrheit“, schrieb Pius XII. in sein Tagebuch. Das war aber nicht am 13. Oktober 1917, sondern 33 Jahre später, am 13. Oktober 1950, als er in den vatikanischen Gärten in der Nähe der Lourdes-Statue plötzlich von einem „nie gesehenen Phänomen“ ergriffen wurde: „Die Sonne, die noch immer recht hoch stand, sah aus wie eine blasse, lichtdichte Kugel, die vollständig von einem Lichtkreis umgeben war.“

Heute sehen und erleben wir in Rom ein blaues Wunder, auch in den Vatikanischen Gärten, wo Georg Ratzinger seinen jüngeren Bruder per Telefon aus Regensburg darüber auf dem Laufenden hält, welche Nachrichten dem Vatikan in diesen Wochen entweichen wie schwer verständliche Rauchzeichen von Sioux-Indianern in einem Lager weit weg in der Prärie. „Ratloses Entsetzen!“ heißt es deshalb gerade wieder in einer Leserzuschrift, in der nicht etwa die apokalyptischen Gewitterwolken über Korea gemeint sind oder die Hurricanes mit den Namen „Irma“ oder „Maria“ in der Karibik. Sondern eine Konfusion der Seelen, die fast mit den Händen zu greifen ist, wo polnische Priester weiter von „Ehebruch“ reden, was in weiten Teilen unserer Kirche inzwischen als „irreguläre Beziehung“ durchgeht.

Ist das ein Bruch, eine Spaltung? Es ist de facto ein Eingriff ins Credo, in dem die Christenheit seit dem Jahr 381 bekennt, an die „Vergebung der Sünden“ zu glauben, während wir gerade erleben, wie sich eine Garde naseweiser Theologen daran macht, die Sünden selbst abzuschaffen – aufgrund neuer Erkenntnisse, die den „komplexen Herausforderungen für Eheleute und Familien besser gerecht wird, mit einem analytischen und breitgefächerten Ansatz, der sich nicht auf seelsorgliche und missionarische Konzepte der Vergangenheit“ beschränken könne. Und so weiter. 62 Autoren, darunter unser Martin Mosebach, haben dem heiligen Vater darüber einen Brief mit einer „Kindlichen Zurechtweisung über die Verbreitung von Häresien“ geschickt. Von der Sache her können wir ihnen nur schwer widersprechen. Das besorgen andere. Die Sache klingt wie ein Hammer und ist dennoch nicht einmalig.

Doch zuletzt hat Papst Johannes XXII. einen solchen Brief im Jahr 1333 (in der „babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ in Avignon) erhalten, als ihn verschiedene „geistige Söhne“ wegen diverser „Irrtümer“ ermahnten. Dennoch hat sich jetzt das Blut des heiligen Januarius in Neapel wieder verflüssigt, Gott sei Dank, wir waren dabei. Gutes Zeichen. Doch unser Blut scheint sich manchmal beunruhigend zu verklumpen.

Sollen wir deshalb den Namen des Vatican-Magazins ändern? Oder die Segel streichen? Ein afrikanischer Kardinal ermutigt uns, nicht aufzugeben. Es sei schlimm, doch bald – so sei er überzeugt – habe die Kirche den Tiefpunkt ihrer Geschichte seit Jahrzehnten erreicht. Danach werde es wieder aufwärts gehen. Offensichtlich würden sich hundert Jahre nach Fatima die Pforten der Hölle noch einmal öffnen, um aus Anlass an das letzte spektakuläre Eingreifen der Gottesmutter an den Grundfesten der Kirche zu rütteln, dass vielen angst und bange werde. Wollen wir da mitmachen? Das nicht. Aber vielleicht wieder mit dem Rauchen anfangen und den Chef nicht länger mit diesem Laster allein lassen? Verlockende Option.

Doch nun zum Essen: Im „L’Archetto“ gibt es die feinste Pizza in einem Radius von zwei Kilometern rings um Sankt Peter. Weil wir aber mittags hier sind, gibt es die frittierten Vorspeisen vom Abend noch nicht, sondern nur eine Pizza Napoli für den Chef und eine Pizza Bufalina mit mildestem Käse, natürlich mit Hauswein und Wasser. Schöner Herbsttag im Freien. Hauptspeisen gibt es hier überhaupt nie. Für diese Stärkung muss heute die Titelgeschichte herhalten, wo unser Verleger alles sagt, was es zum Sonnenwunder zu sagen gibt.

Papst Johannes XXII. hat seine „Irrtümer“ übrigens ein Jahr nach der besagten Ermahnung am 4. Dezember 1334 auf dem Sterbebett bereut und widerrufen. Wir hingegen bitten Papst Franz stattdessen zum Nachtisch um seinen Apostolischen Segen und überlassen der Himmelskönigin das Schlusswort, das nun hundert Jahre alt wird. Beglaubigt durch ihr Sonnenwunder im „Licht vom Licht“, hat sie auch unseren Leserinnen und Lesern am 13. Oktober 1917 dies garantiert: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren.“


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