VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Beef Bazaar
Via Germanico, 136
00192 Roma
Telefon: (0039) 06 / 694 021 50

Wer unserer reiferen Leser erinnert sich nicht an die Stelle, wo Winnetou, der Häuptling der Apachen, zu einem leisen Ave Maria in den Händen Old Shatterhands verblutete? Und wer schmeckt nicht noch den Kloß im Hals bei den letzten Worten, die die edle Rothaut seinem bleichgesichtigen Freund auf diesem Gipfel des deutschen Bildungsromans ins Ohr flüsterte? Es war ein Erweckungserlebnis. Heute nun werden Sie alle in diesem Heft von einer anderen Sternstunde dieses größten Theologen deutscher Zunge erfahren, von dem nur die wenigsten wissen. Doch gemach, und der Reihe nach.

Das wahre Fest der Fleischwerdung Gottes wird ja am 25. März gefeiert, am Hochfest der „Verkündigung des Herrn“, und so muss es auch sein und bleiben. Es ist die genaue Frist einer normalen Schwangerschaft, die sich von diesem Frühlingstag bis zur Christnacht und Weihnachten am 25. Dezember hinstreckt. Doch mit Christi Geburt kommt das rosa Fleisch des winzigen Herrn ja erstmals wirklich in unseren Blick und vor unsere, beziehungsweise Josefs und Marias Augen. Aus diesem Anlass wollen wir diesem fleischlichen Vergnügen heute einmal in dem neuen „Beef Bazaar“ die rechte Ehre erweisen. Der englische Name verrät es schon: die Betreiber und das Personal sind jung. Alles an dem Laden ist neu und wenn er sich hier in der Via Germanico neben starker Konkurrenz bewähren will, muss er schon etwas bieten, wie etwa die prächtige Fleischtheke mit allen Sorten besten Frischfleischs von zartestem rosa Kalb bis zum Dunkelblutrot allerzartester Maremma-Rinder. Da bieten wir mit, wie unsere verehrten und geliebten Leserinnen und Leser es schon ahnen.

Etwa mit dem Wunder des Glaubens und Unglaubens im Mutterleib, von dem uns Markus Günther so erzählt, als wäre er gerade dabei gewesen, und der uns bei dieser Gelegenheit auch endlich – siehe oben – einen Theologen, so edel wie Winnetou, als neuen Haus-Patron des Magazins vorstellt. Dazu lassen wir uns einen Sauvignon Blanc von der Isonzo-Front öffnen. Sehr köstlich. Auf einen ersten Vorspeisenteller laden wir uns an der Wurstbar selbst viererlei Sorten köstlichen Schinkens. Der Beef Bazaar befindet sich im Keller. Für die Steaks vom Grill sind wir noch zu früh. Dafür aber dürfen wir uns für 10 Euro pro Person nach Herzenslust mit riesigen Tellern an der Buffet-Bar bedienen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, trotz der Verführungskraft solcher Angebote, gleich wieder viel zu viel auf einmal auf den Teller zu heben: apulische Pasta in Käsesoße, Tiroler „Wurstel mit Kraut,“ Mangold mit Fleischklößchen, Dinkel und Graupengerichte (Orso e Farro), alles köstlich, doch zu viel, zu viel, fast wieder mal so wie der Inhalt dieses neuen Heftes.

Was für unsereins Old Shatterhand ist, war für den jungen und reiferen Joseph Ratzinger allerdings Romano Guardini. Als edles Geschenk an unsere Leser stellt uns Professorin Gerl-Falkowitz zum Weihnachtsfest deshalb den seligen Romano vor, so schön, als hätte er dafür selbst noch einmal selbst zur Feder gegriffen. Barbara Wenz fährt mit uns zum heiligen Nikolaus nach Bari, Stefan Rochow aus dem Dunkel der Nacht zum Licht der Welt, und Freddy Derwahl nimmt uns auf seiner letzten Frankreich-Reportage in das Collège des Bernardins nach Paris mit, wo Papst Benedikt auf dem Höhepunkt seines Pontifikats im September 2008 darüber sprach, „dass im großen Kulturbruch der Völkerwanderung die Mönchsklöster der Ort waren“, wo der Imperativ „,quaerere Deum’ (Gott suchen)“ zur neuen Wesensmitte des neuen Europa wurde. „Sie suchten das Endgültige hinter dem Vorläufigen.“

Da geht es den alten Mönchen mit ihrer „désir de Dieu“ und ihrer „amour des lettres“ gerade wie uns, wie Sie diesem Heft wieder entnehmen können. Doch nicht nur in der Liebe zu Buchstaben, sondern auch zu den Bildern, zusammen mit dieser guten Botschaft: Der Erlöser der Welt wurde in diesen Tagen schon wieder verscherbelt – für über vierhundert Millionen freilich und nicht mehr für dreißig Silberlinge. Das Christkind in seinen pipinassen Windeln aber kommt in diesem Winter schon wieder umsonst in jedes Haus, das ihn aufnimmt. „Ohne Fenster sind unsere Konferenzen nicht das Wahre“, sagt der Chef nach der Zigarettenpause im Freien. Stimmt. Dafür ist diese große Vision wohl um so nötiger, de profundis, und auf das „Licht von der Höhe“ hin, das die Engel bei den Hirten umfängt. Im März aber sollten wir uns hier noch einmal ein gescheites Steak vom Grill einwerfen, oder zwei.


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