VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Papa Rex
Via Aurelia, 87
00195 Roma
Tel.: (0039) 06 / 63 49 98
Kein Ruhetag

Im „Papa Rex“ hat uns endlich das alte Rom wieder. Das Lokal unter der Vatikanmauer hat in verschiedenen Räumen für zweihundert Gäste Platz und doch behandelt uns Gennaro, der Kellner, als wären wir seit langem die einzigen. Auch der Koch aus den Marken bekocht uns, wie es sich gehört. Das Aquädukt vom Bahnhof San Pietro zum Vatikan-Bahnhof gleitet förmlich an unserem Fenster vorbei. Darüber strecken sich Schirm-Pinien in das makellose Blau des römischen Januar-Himmels, als kämen sie frisch vom Gärtner. Die Vorspeisen – geschmorte Paprika, gegrillte Zwiebeln und gebackene Artischocken-Viertel – könnten nicht besser sein. Der Primo – ein kremiger Reis mit Zucchini und Minze – könnte ein wenig kräftiger sein, doch das ist wohl weniger dem Koch als unserer Wahl geschuldet. Wir hätten ja auch Penne arrabbiate bestellen können, dann gäbe es hier nichts zu meckern. Und scharf sind wir ja ohnehin selbst und unsere Themen. Doch dann lassen uns ein extrem knuspriges und würziges Hähnchen für den Chef und eine klassische Saltimbocca mit Schinken und Salbei – zu einer frischen Focaccia aus dem Ofen – alle Experimente des letzten Jahres vergessen und wir hoffen sehr, dass es dem Heiligen Vater ähnlich geht, der gerade aus Chile und Peru wieder zurück in seine Bleibe in Sancta Marta kommt. Das wünschen wir ihm von Herzen.

Denn wir fanden ja auch die Frage nach den Medikamenten, die ihm eine Kollegin im Flieger nach Chile stellte, höchst indezent und zwar auf eine Weise, wie sie niemals einem seiner Vorgänger gestellt wurde. Irgendetwas kippt also gerade. „Die Hexe“ aber, zu der Papst Franz geht, kennen wir gut, weil wir sie selber auch gern aufsuchen, doch werden ihren Namen keinem verraten, weil es eine „heilige Hexe“ ist, was der Pontifex leider zu erwähnen vergaß. Kurzum: dem Heiligen Vater entgleitet da gerade etwas, wie er am Schluss dieser unglücklichen Reise offenbarte, als er sich auf das allerunglücklichste zu einem Missbrauchsverdacht äußerte, der bei weitem noch nicht ausgeräumt ist, wie Kardinal O’Malley in einer harschen Kritik zu erkennen gab, wie sie dem Papst bisher noch nie widerfahren ist. Ist es also das „Waterloo“ oder das „Stalingrad“ in diesem Pontifikat, sinnieren zwei Kollegen am Nebentisch vor sich hin, bevor Professor S. zu ihnen tritt, der völlig überzeugt davon ist, dass es sein Stalingrad sei.

Aber Moment mal, sagen wir da: Waterloo steht für Napoleon, Stalingrad für den Führer! Mit wem soll der Heilige Vater hier noch verglichen werden? Tatsache ist aber, dass momentan viele Dämme in Rom gebrochen sind, auch was das freie Denken und Sinnieren über die Zukunft dieses Pontifikats betrifft. „Wir sind noch nicht aus dem Wald“, heißt es dazu aus der Nähe des Papstes. Es ist nicht das Ende, nur eine Wende. Und wir geben unsere Hoffnung nicht auf, am wenigsten auf die Zukunft der Mutter Kirche, wie dieses Heft schon wieder mit seinem Inhaltsverzeichnis verrät, wo wir heute vor allem den Brief unseres Dr. Reder an Dr. Luther zu aufmerksamen Lektüre empfehlen, und das Buchwunder, von dem unsere Titelgeschichte erzählt. Wovor sollte uns da noch bangen?!

Alle, die sich hier regelmäßig als unsere verehrtesten Leserinnen und geschätzten Leser mit zu uns an diesen Konferenztisch setzen, wissen und erfreuen sich mit uns daran, dass wir Monat für Monat das knusprigste, schönste und witzigste Magazin deutscher Zunge in die Welt bringen. All das brauchen wir heute nicht vertiefen. Doch de facto in eine Geschichte eingewoben zu sein wie in einen Kelim, wo wir uns am Anfang eines Weges entdecken, an deren Ende nun Martin Mosebach mit seinem Buchwunder und Welt-Bestseller über die 21 koptischen Märtyrer niederkommt, das kommt einem Glück gleich, das die absolute Erfolglosigkeit unseres Magazins, die Kündigung vieler Abonnenten, der Witz unserer Auflagenhöhe, der Mangel an Anzeigekunden, all unsere Schulden, die Häme und Missachtung der Kollegen (die bei uns Inspirationen klauen), das Totschweigen durch die Agenturen und der Boykott von Bischöfen und Pfarrern, die uns niemals in ihrem Schriftenstand anbieten, mehr als tausendmal wett macht. Auch all unser unnützes Abmühen. Denn welcher SPIEGEL-Titel hätte sich je einer solchen Wirkung rühmen können! Oder vom STERN, dem FOCUS, oder wie die ganzen Lachnummern unter unserer Konkurrenz sonst noch alle heißen mögen. Mit einem Wort: Wunder! Aber echt. Und Amen und Danke!


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