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Was wichtig war im Vatikan

Franziskus wandelt das Familien-Institut um

Weg von den „Formen und Modellen der Vergangenheit“

19. September

Mit einem heute veröffentlichten Motu proprio errichtet Papst Franziskus ein neues päpstliches Institut, das die katholische Lehre zu Ehe und Familie im Sinn von „Amoris Laetitia“ vertiefen soll. Die Einrichtung führt die Arbeit des von Johannes Paul II. 1981 gegründeten „Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie“ fort und trägt in Anlehnung an dieses den ähnlichen Namen „Päpstliches Theologisches Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaft“. Das neue Institut löst das alte ab, dessen „nutzbringendes Wirken“ Franziskus gleichwohl lobte, und wird ein „erweitertes Studienfeld“ in den Blick nehmen, wie der Papst in dem Motu proprio „Summa Familiae Cura“ erläutert: „Die anthropologisch-kulturelle Veränderung, die heute alle Lebensbereiche beeinflusst und einen analytischen und vielfältigen Ansatz erfordert, erlaubt es uns nicht, uns auf Praktiken der Seelsorge und der Mission zu beschränken, die Formen und Modelle der Vergangenheit spiegeln.“

Foto: Xpress
Bestimmt als Großkanzler den Kurs des Familien-Instituts: Kurienerzbischof Vincenzo Paglia

Das neue Institut wird sich demnach mit den fortschreitenden Erkenntnissen der Humanwissenschaft und der Anthropologie auseinandersetzen und soll „ein akademischer Referenzpunkt im Dienst der Weltkirche werden“, schreibt Franziskus. In Treue zur Lehre Christi, so der Papst, „müssen wir mit Intellekt der Liebe und mit weisem Realismus auf die Wirklichkeit der heutigen Familie blicken, in ihrer ganzen Komplexität, in Licht und Schatten“.

Juristisch erhält die Einrichtung auf Anordnung des Papstes ein neues Gerüst, das noch zu erarbeiten ist. Die besondere Beziehung des neuen Instituts mit dem Lehramt des Heiligen Stuhles werde in einer „privilegierten Beziehung“ zu drei anderen vatikanischen Einrichtungen zum Ausdruck kommen, heißt es weiter in dem „Motu proprio“. Demzufolge wird das Institut mit der Bildunskongregation, mit der neuen päpstlichen Behörde für Familie, Laien und Leben sowie mit der päpstlichen Akademie für das Leben zusammenarbeiten.

Das bisherige Institut bot vor allem Priestern, Theologen und Ordensleuten verschiedene Zusatzausbildungen oder Promotionsarbeiten im Bereich Familientheologie und Ehepastoral an. Es hat Ableger in anderen Ländern, vor allem in Nordamerika, Asien und Afrika. Daneben arbeitet es eng mit ähnlichen katholischen Familieninstituten in Europa zusammen. Auch das neue Institut ist wie die Vorgängereinrichtung der Päpstlichen Lateranuniversität angegliedert, jedoch von ihr akademisch unabhängig.

In dem neuen Institut soll die Arbeit der beiden Bischofssynoden zur Familie sowie das Päpstliche Lehrschreiben Amoris Laetitia weiter vertieft werden, wie der Großkanzler des Instituts, Erzbischof Vincenzo Paglia, gegenüber Radio Vatikan betonte. Drei akademische Titel sollen ab sofort vergeben werden können. Die bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts sollen auch in der neuen Struktur einen Platz finden, während zusätzlich neue Stellen besetzt werden sollen, fügt der vatikanische „Familienbeauftragte“ an. „Die Familie ist für Franziskus etwas Konkretes“ und deshalb brauche es eine akademische Einrichtung, die sich im Dienste der Kirche damit auseinandersetze und sich für diese einsetze, so Paglia.

Der italienische Kurienerzbischof wird vorübergehend Großkanzler des Instituts bleiben. Die akademische Leitung übernehmen ein Direktor und ein Institutsrat. Franziskus hatte nach der Veröffentlichung seines Dokuments „Amoris Laetitia“ die Spitze des bisher bestehenden Instituts bereits neu besetzt. Er ernannte Erzbischof Paglia zum neuen Großkanzler und den Mailänder Fundamentaltheologe und Komponisten Pierangelo Sequeri anstelle des Moraltheologen Livio Melina zum Direktor.

Kurienpräfekt antwortet auf „dubia“-Kardinäle

Kardinal Kevin Farrell verteidigt „Amoris laetitia“

15. September

Der amerikanische Kurienkardinal Kevin Farrell bricht eine Lanze für das Schreiben „Amoris laetitia“ von Franziskus. Der Präfekt des im August letzten Jahres vom Papst eingerichteten Vatikandikasteriums für Familie, Laien und das Leben weist heute in einem Interview mit Radio Vatikan darauf hin, dass Franziskus einen beispiellosen Konsultationsprozess durchgeführt hat; erst dann habe er sich darangemacht, „Amoris laetita“ zu verfassen.

Farrell wörtlich: „Überlegen Sie doch mal: Die Fragebögen gingen in alle Enden der Welt, und es gab zwei Synoden zu diesem Thema. Wann hatten wir denn jemals in der Geschichte zwei Synoden über dasselbe Thema? Nie! Der Papst hat wirklich Rat eingeholt, und er hat bei jeder Sitzung da gesessen, zugehört und sich Notizen gemacht. Das ist doch kein Dokument, das von einer Handvoll Theologen verfasst wurde, die da im Vatikan saßen und nichts vom menschlichen Leben wissen. Vielleicht sollte ich das nicht so hart formulieren – aber zumindest haben sie keine Erfahrung der Ehe… jedenfalls viele von ihnen nicht. Nein, das Dokument wurde von einem Papst verfasst, der auf die Standpunkte von Bischöfen aus Afrika, Asien, Australien, den Vereinigten Staaten, Kanada, Lateinamerika oder den Philippinen hörte. Er hat sich darum bemüht, uns einen Weg nach vorne zu zeigen. Und der Weg nach vorne besteht darin, dass wir uns umeinander kümmern und dass wir den Menschen helfen! Wir geben ihnen keine Regel vor, sondern zeigen ihnen, wie sie leben können.“

Farrell hebt hervor, dass es für ihn keine Abstriche an der katholischen Lehre von Ehe und Familie gibt: Die Ehe sei „ein Bund von einem Mann und einer Frau, die offen sind für neues Leben“. Aber je mehr das traditionelle Ehemodell unter Beschuss gerate, umso wichtiger sei es, auf positive Weise dafür zu werben. „Ich glaube, im Bereich der Familie ist es fast das Wichtigste, zu verstehen, in was für einer Welt wir leben. In ,Amoris laetitia’ schreibt der Papst an einer Stelle: Vielleicht machen es allzu viele Regeln und Normen Familien heute zu schwer, einfach ihr Leben zu leben. Aus meiner Sicht ist der pastorale Ansatz von Papst Franziskus einzigartig – außerordentlich gut durchdacht und vom Heiligen Geist inspiriert. Ich denke wirklich: Es geht darum, Menschen auch in ihren Schwierigkeiten zur Seite zu stehen. Wir müssen den Menschen vermitteln, dass die Ehe etwas mit der Freude des Evangeliums zu tun hat und mit dem, was Jesus uns gelehrt hat.“


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