Kirche in Not 1/2015

 

Christenverfolgung, Berufungen, Ökumene

Mit zahlreichen Gästen und Referenten umfasst der kommende Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ eine weite Themenpalette

von André Stiefenhofer

 

Er hat ein langes Leitwort, der Kongress „Treffpunkt Weltkirche“. Der Satz auf dem Einladungsflyer geht über nicht weniger als fünf Zeilen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird;  und ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde.“  (Apg 1,8)
Dieses Leitwort ist die „Klammer“ des Kongresses. Über den ersten Teil wird Kardinal Meisner das Eröffnungsreferat halten, über den zweiten Peter Egger das Schlussreferat. Die Bibelstelle drückt etwas Positives aus, einen Imperativ. Es soll deutlich werden: Der Weg der Kirche durch die Zeit besteht nicht (nur) in Pastoralplänen, sondern es kommt auf das Wirken des Heiligen Geistes an. Ohne die Kraft des Heiligen Geistes kann das Glaubensfeuer nicht an die nächsten Generationen weitergegeben werden. Ohne das Gebet können Christen keine Zeugen sein „bis an die Grenzen der Erde“.


Heiliger Geist für das christliche Selbstbewusstsein

„Viele Christen sind heute resigniert, weil die Stimme der Kirche von den Medien oft entstellt und lächerlich gemacht wird“, sagt „Kirche-in-Not“-Geschäftsführerin Karin Maria Fenbert. Sie hat das Programm des „Treffpunkt Weltkirche“ ebenso wie schon 2011 federführend konzipiert. „Wenn die Kirche und das Christsein etwas zu sein scheint, wofür man sich entschuldigen muss, stimmt etwas nicht.“ Zur Überwindung dieses mangelnden christlichen Selbstbewusstseins brauche es den Heiligen Geist und Fenbert hofft, dass er auf dem „Treffpunkt Weltkirche“ kräftig weht. „Auch die verängstigten Apostel mussten nach der Kreuzigung erst zu Pfingsten die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, bevor sie zu Zeugen in aller Welt werden konnten und mit Macht die Frohe Botschaft verkündeten“, erklärt sie.


Abend der Weltkirche

Kraft tanken und sich über die wirklich wichtigen Themen der Weltkirche informieren – das sind die beiden Hauptgründe, wieso man den „Treffpunkt Weltkirche“ nicht verpassen sollte. Der Kongress nimmt sich einiger drängender Fragen für die Kirche weltweit an, das zeigt der Blick ins Programm: So gibt es, wie bereits auf dem letzten Kongress im Jahr 2011, einen „Abend der Weltkirche“. Hier stehen jedoch anders als letztes Mal weniger einzelne Landeskirchen als vielmehr jene Themen im Mittelpunkt, die alle verbinden:
Über die vielfältigen Aspekte der „Christenverfolgung“ weltweit werden zum Beispiel Bischof Matthew Kukah aus der nordnigerianischen Diözese Sokoto, Pater Aurelio Gazzera aus der Zentralafrikanischen Republik, Pfarrer Emmanuel Yousaf aus Pakistan und die ägyptische Menschenrechtsaktivistin Dina Raouf Khalil sprechen. Derart unterschiedliche Blickwinkel auf ein und dasselbe Problem versprechen ebenso viele Lösungsansätze.
Ähnlich ist das beim Thema „Geistliche Berufungen“ zu erwarten: Mit dem Regens des Priesterseminars Erbil im Norden des Irak, Fadi Lion, ist nicht nur ein hochgeistiger Priesterausbilder, sondern auch ein tatkräftiger Koordinator humanitärer Flüchtlingshilfe zu Gast. Erbil musste im August 2014 tausende Christen aufnehmen, die vom „Islamischen Staat“ aus Mossul und Umgebung vertrieben worden waren. Das Priesterseminar wird bis heute als Flüchtlingslager genutzt. Ein ganz anderes Schlaglicht auf das Thema „Geistliche Berufungen“ wirft der ehemalige Regens des Priesterseminar Manaus – eine Großstadt im tiefsten Dschungel Brasiliens –, Don Olindo Furlanetto. Und auch Vertreter mitteleuropäischer Priesterausbildung dürfen mit Regens Anton Lässer aus Heiligenkreuz in Österreich und Regens Herbert Baumann aus Würzburg nicht fehlen.
Ein weiteres spannendes Thema des „Abends der Weltkirche“ ist die Rolle der Kirche bei so genanntem „Staatsversagen“: In vielen Ländern der Welt springt die Kirche ein, wenn der Staat grundlegende Aufgaben nicht mehr wahrnimmt. Das betrifft vor allem die Bereiche Bildung und Gesundheit – mit den wichtigen katholischen Trägerschaften an Krankenhäusern und Schulen. Oft sind Bischöfe, Priester und Ordensfrauen aber auch die einzigen Autoritätspersonen weit und breit und übernehmen deshalb Aufgaben, für die eigentlich Politiker, Ärzte und Polizisten zuständig wären. Konkrete Beispiele für so eine Kirche als „Staatsersatz“ liefern der Altbischof von Torit im Südsudan, Paride Taban, Pater Charles Saw aus Myanmar und Pater Stefano Molon aus der Zentralafrikanischen Republik.   


Auch eine geistliche Veranstaltung

Wenn man sich auf dem Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ wie auf einem Fachkongress jedoch nur über Sachfragen austauschen würde, bestünde die große Gefahr, die Weltkirche auf einen „sozialen Verein“ zu reduzieren. Doch es geht um mehr – in der Kirche und auf dem Kongress, wie Karin Maria Fenbert betont: „Es ist unerlässlich, dass der ‚Treffpunkt Weltkirche‘ auch eine geistliche Dimension hat.“ Zu dieser geistlichen Dimension gehören im Fall von „Kirche in Not“ die Marienerscheinungen in Fatima und das enge Verhältnis zu den Päpsten. Zu beiden Themen ist deshalb ein Vortrag von Prälat Florian Kolfhaus aus dem vatikanischen Staatssekretariat geplant – einer von vielen geistlichen Programmpunkten der Tage. Tragende Säulen des Kongresses sind drei große Gottesdienste, von denen einer im byzantinischen Ritus der Ostkirche gefeiert wird. Zelebriert wird dieser liturgische Höhepunkt von keinem geringeren als dem griechisch-katholischen Großerzbischof von Kiew, Swiatoslaw Schewtschuk, dem Oberhaupt der griechisch-katholischen Katholiken.


Ökumene

Der russisch-orthodoxe Metropolit Hilarion Alfejew sprach 2011 auf dem Kongress „Treffpunkt Weltkirche“ von einer „strategischen Allianz“, die er sich für die katholische und orthodoxe Schwesterkirche wünsche. Beide stimmen in vielen Werten überein, beide wehren sich gegen den Säkularismus, Relativismus und Genderismus in unseren Gesellschaften. Schon Papst Johannes Paul II. sprach davon, dass Europa mit beiden Lungenflügeln atmen müsse, kein Wunder also, dass die Ökumene mit der orthodoxen Kirche wieder ein wichtiger Aspekt des Kongresses ist. „Es gibt keine Alternative als eine ständige Dialogbereitschaft zwischen den orthodoxen Kirchen und der römisch-katholischen“, erklärt Geschäftsführerin Fenbert. „Und zwar ganz egal wie ungünstig und ungeschickt sich Laien und der Klerus auf beiden Seiten manchmal benehmen.“ Die Einheit – das ist auch den Mitarbeitern von „Kirche in Not“ klar – kann nicht durch menschliche Anstrengung erreicht werden. Ähnlich wie beim Mauerfall und der Wende in Osteuropa vor 25 Jahren bedarf es dafür der Gnade und dem Wirken Gottes.


Jugendkongress

Am Nachmittag des 14. März wird das Programm des Kongresses geteilt: Im Hauptsaal steht die „westeuropäische Kirche in Not“ auf der Tagesordnung und in einem Nebensaal beginnt der „Jugendkongress“, ein Nachmittag für junge Christen. Während es im Hauptprogramm um die Herausforderungen der Kirche in der säkularisierten Gesellschaft und die Bedrohung durch lebensfeindliche Ideologien gehen wird, beginnt das Jugendprogramm mit einer Katechese von Johannes Hartl zum Thema „Gebet“. Der 35-jährige Theologe hat dazu eine Menge zu sagen, ist er doch Gründer und Leiter des ökumenischen „Gebetshauses“ in Augsburg: ein Ort, an dem 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag gebetet wird. Neu auf dem „Treffpunkt Weltkirche“ sind zwei Workshops zum Thema „Glaubensweitergabe“, die sich vor allem an junge Teilnehmer richten: Der katholische Blogger Peter Winnemöller gibt einen „Crashkurs Bloggen“ und der Musiker Danny Fresh lädt ein zum „Crashkurs Hip Hop und Rap“.


Glaubenskundgebung

Ein weiterer Höhepunkt des Kongresses „Treffpunkt Weltkirche“ ist die „Glaubenskundgebung“, eine dreistündige Fernsehshow mit Musik, Theater und geistlichen Impulsen. Live übertragen wird dieses bunte Fest des Glaubens von den Fernsehsendern K-TV und EWTN sowie im Internet-Livestream in der „Kirche-in-Not“-Mediathek auf www.katholisch.tv. Mit dabei sind unter anderem der jamaikanische Ordensgründer Pater Richard Ho Lung und seine Reggaeband, der bekannte Journalist und Buchautor Alexander Kissler und die Kinder des „Treffpunkt Weltkirche“, die ein eigens einstudiertes Theaterstück aufführen werden. Moderiert wird die Show von Martin Lohmann.


Radikaler Islam und Ordensberufungen

Zwei spannende Themen haben sich die Organisatoren für den letzten Kongress-tag aufgehoben: Die immer radikalere Islamisierung des Nahen Ostens und die verzweifelte Lage der dortigen Christen sind Themen eines von der katholischen Tageszeitung „Die Tagespost“ präsentierten Podiums am Sonntagmorgen. Prominente Gäste sind der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, Weihbischof Saad Sirop Hanna aus Bagdad und Bischof Kyrillos William Samaan aus Ägypten. Über die humanitäre Hilfe der Kirche im Libanon berichtet in dieser Runde die Ordensfrau Hanan Youssef.
Mit dem ersten Advent hat für die Kirche das „Jahr der Orden“ begonnen. Der Schwerpunkt „Ordensleute“ darf deshalb auch auf dem „Treffpunkt Weltkirche“ nicht fehlen. Zum Thema sprechen am Sonntagvormittag der Vorstandsvorsitzende von „Kirche in Not“ Deutschland und ehemalige Abt von Plankstetten, Bischof Dr. Gregor Maria Hanke, der auch Mitglied in der Kongregation für Orden ist. Neben ihm werden die Ordensgründer Pater Richard Ho Lung und Schwester Eppie Brasil sitzen.
Der Schlussimpuls des Südtiroler Theologen Peter Egger und eine fulminante Abschlussmesse mit Chor, Bläsern und vielen Bischöfen aus der Weltkirche stehen am Ende des 5. Internationalen Kongresses „Treffpunkt Weltkirche“ von „Kirche in Not“ – vier Tage, die man so schnell nicht vergisst!

 

 

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