Disputa 4/2014

 

Aktuell wie nie zuvor: Die Rede vom Christentum – ohne Christus

Die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ von Wladimir Solowjew

nacherzählt von Alexander Pschera

Die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ von Wladimir Solowjew ist Teil eines größeren Werkes, der „Drei Gespräche über Krieg, Fortschritt und das Ende der Welt“. In diesen Gesprächen unterhalten sich im April 1899 im Garten einer Villa an der Riviera fünf Angehörige der gehobenen russischen Gesellschaft über die epochalen Verschiebungen, die mit der Jahrhundertwende in Verbindung geschehen. Der „Antichrist“ thematisiert dabei das Ende der irdischen Geschichte und den Übergang in das Reich Gottes, der sich, so Solowjews innerste Überzeugung, nicht als Prozess, sondern als gewaltsame Auseinandersetzung vollziehen wird. In diesem Zusammenhang  verliest Herr Z., der in der Rahmenerzählung den Standpunkt des Autors vertritt, die „Kurze Erzählung vom Antichrist“, in der mit tagheller Visionskraft (der ganze Text ist im Futur geschrieben) die Entstehung und der Untergang des glanzvollen, aber kraftlosen Gutmenschentums aus dem Geist Luzifers gezeichnet wird.
Die Erzählung beginnt wie ein Paukenschlag mit dem Ausruf „Panmongolismus“! Die letzte Phase der Weltgeschichte wird mit einem Sturm der asiatischen Völker auf den Westen eingeleitet. Die ostasiatischen Völker unter Führung der Japaner sehen den Westen im Ausgang des zwanzigsten Jahrhunderts in tiefe Auseinandersetzungen mit dem Islam verstrickt und schicken sich an, die Welt zu erobern. Sie unterwerfen Europa und zerstören das abendländische Wertesystem. Hier herrscht nun ein totaler Synkretismus aus Westlichem und Östlichem. Nach fünfzig Jahren werfen die Europäer das asiatische Joch ab. Die vereinigten europäischen Kräfte übernehmen wieder die Kontrolle, doch die alte Ordnung existiert nicht mehr. Nationale Identitäten sind dahin. Die Vereinigten Staaten von Europa sind ein äußerlich hochentwickeltes, modernes Staatengebilde, dem es aber an inneren Werten und moralischem Halt fehlt. Der Materialismus ist überwunden, aber auch der Glaube an einen Gott, der die Welt aus einem Nichts erschaffen hat, hat ausgedient.
In diesem Wertevakuum tritt der Übermensch auf, einer der letzten spirituellen Führer, der an das Gute glaubt, an Gott, an den Messias: „Daran glaubte er, aber er liebte nur sich allein.“ Er will an Jesus Christus glauben, kann es aber nicht, weil das bedeuten würde, sich selbst zu relativieren. Und diese Erkenntnis führt ihn in tiefste Einsamkeit, an einen Felsenabgrund, in den Suizid. Er stürzt sich hinab, wird aber wie von Geisterhand gerettet. Satan offenbart sich als sein wahrer Vater, er erfüllt ihn mit seinem kalten Geist. Inspiriert von dieser eisigen Kraft schreibt der Antichrist ein Buch, „Der offene Weg zu Frieden und Wohlfahrt der Welt“ – eine Vision des Christentums ohne Christus.
Das Friedensmanifest ist ungeheuer erfolgreich. Es fällt hinein in eine Welt, deren äußere Umstände immer bedrohlicher werden: Die mühsam errungene europäische Freiheit droht zu zerfallen, Kriegsgefahr zieht am Horizont auf. Angesichts dieser Gefahren wird die Exekutivmacht in eine Hand gelegt: Der Mensch der Zukunft wird Präsident der Vereinigten Staaten von Europa, und dann sogar Weltkaiser.
Seiner Weltmonarchie gelingt es, den ewigen Frieden zu begründen. Nacheinander löst der römische Kaiser die politische, die soziale, die religiöse Frage. Gewalt gegen Tiere wird verboten. Die Gleichheit des allgemeinen Sattseins wird eingeführt. Mit Apollonius, einem morgenländischen Weisen, der halb Katholik, halb Buddhist ist, erhält das Volk seinen Glauben an Wunder zurück. Im vierten Jahr beruft der Kaiser ein ökumenisches Konzil ein, um die Beziehung der Zeit zum Christentum zu prüfen und um die Kirche der Zukunft von Grund auf zu formieren. Ein Konzil wird abgehalten.
Die Vision vom Konzil nimmt fast die ganze zweite Hälfte der Erzählung ein. Auf der Erde leben nur noch 45 Millionen Christen – aber hier „sammelte und konzentrierte es sich in sittlicher Hinsicht und gewann an Qualität, was es an Quantität verlor.“ Die katholische Kirche hat mittlerweile Asyl in Petersburg genommen, die Orthodoxie hat ihren offiziellen Charakter eingebüßt, diejenigen, die sich noch zu ihr bekennen, tun das inbrünstig, die Anhänger des Protestantismus sind meistenteils religiös indifferent, die wenigen Strenggläubigen verbinden eine tiefe, stille Religiosität mit großer Gelehrsamkeit.
Das Konzil findet in Jerusalem statt, wohin der Kaiser seine Residenz von Rom verlegt hat – und wo auch der Antichrist seinen Sitz hat (Offenbarung 11,8) . Das Konzil hat drei Protagonisten: Papst Petrus II., den Staretz Johannes und den protestantischen Professor Ernst Pauli.  Zum Einzug des Kaisers erklingt der „Marsch der einigen Menschheit“. In seiner Eröffnungsansprache unterstreicht der Kaiser seinen Willen, dass die Christen ihn, den Anti-Christ, anerkennen als ihren wahren Führer „in einem jeglichen Werke, unternommen zum Heile der Menschheit“. Er fordert sie auf, das zu nennen, was ihnen das Teuerste am Christentum sei – er wolle es ihnen gewähren: „Und mit freudigen Ausrufen: Gratias agimus! Domine! Salvum fac magnum imperatorem! gingen fast alle katholischen Kirchenfürsten, Kardinäle und Bischöfe, ein großer Teil der gläubigen Laien und Mönche hinauf auf die Estrade.“ Nur Papst Petrus rührt sich, umgeben von einer Schar Aufrechter, nicht vom Fleck. Das Gleiche geschieht, als der Kaiser die Orthodoxen und dann die Protestanten unter seine Herrschaft nehmen will – der Staretz Johannes und Professor Pauli verharren starr in der Mitte des Palastes.
Der Kaiser wiederholt jetzt sein Anfangsfrage: „Seltsame Leute! Was wollt Ihr von mir? Sagt es mir selbst: …was ist Euch das Teuerste am Christentum?“ Der Staretz Johannes erhebt sich als erster und schleudert den Satz in den Raum: „Das Teuerste am Christentum ist für uns Christus selbst!“ Daraufhin erschlägt ihn ein Kugelblitz, der vom Großmagier gelenkt wird. Der Kaiser wendet sich an die Gemeinschaft und wertet das „Gottesurteil“, das über den Staretz erging, als eine Bestätigung seiner unbedingten Weltherrschaftsansprüche. Dem hält der Papst Petrus sein felsenfestes „Contradicitur“ entgegen. Er wiederholt dabei sinngemäß die Worte des Staretz: „Unser alleiniger Herr ist Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Hinweg, Gefäß des Teufels!“ Er exkommuniziert den Kaiser. Daraufhin wird auch er von einem Donnerschlag getötet.
Professor Pauli, der im allgemeinen Chaos kühlen Kopf bewahrt, ergreift jetzt die Initiative. Er konstatiert, dass der Staretz den Antichristen entlarvt und dass Papst Petrus diesen Antichristen aus der Kirche ausgestoßen hat. Jetzt sei es für alle Christen an der Zeit, die Gegenwart des aus der Kirche Ausgestoßenen zu vermeiden und in die Wüste hinaus zu ziehen, um dort die Wiederkehr Jesu Christi zu erwarten. Die Christen laden die Leichname auf Bahren und wollen aus dem Tempel ziehen. Die Leichname werden ihnen jedoch abgenommen und öffentlich ausgestellt – damit sich jeder von ihrem Tod überzeugen kann. Die Christen ziehen auf die Hügel vor Jericho.
Derweil wird in Jerusalem Apollonius zum neuen Papst gewählt. Die umgefallenen Christen schließen sich ihm an. Es ereignen sich nun seltsame Dinge, aber die Menge feiert den neuen Papst, der allerdings mehr einem Zauberkünstler gleicht. Die Christen auf den Hügeln von Jericho üben sich derweil in Fasten und Gebet. In der vierten Nacht dringt Professor Pauli mit einigen Getreuen nach Jerusalem ein, um die beiden Leichname zu holen: Sie sind unversehrt und erwachen zu neuem Leben. Der Staretz Johannes erinnert an das letzte Gebet Christi: dass die Jünger eins seien, gleich wie er, Christus, mit dem Vater eins ist. So vollziehen sie die Vereinigung der Kirchen, indem sie Papst Petrus als Kirchenoberhaupt der Christenheit anerkennen. Am Himmel erscheint daraufhin „ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen“. Geführt von Papst Petrus, bricht die Christenschar zum Berg Sinai auf.
Hier bricht das Manuskript ab, teilt Herr Z. seinen aufmerksam lauschenden Zuhörern mit. Der verstorbene Autor des „Antichrist“ hat Herrn Z. jedoch vor Jahren in den Fortgang der Handlung eingeweiht, die dieser jetzt noch knapp zusammenfasst: Während sich immer mehr wahrhafte Christen in der Wüste sammeln, bricht über den Kaiser, der seine Herrschaft auf religiös gesichertem Boden glaubt, neues Unheil herein: Die Juden erheben sich gegen ihn. Sie hatten dem Kaiser zuerst zugejubelt, dann aber bemerkt , dass er kein Israelit sei. Die Begeisterung für den „Messias“ wandelte sich in Hass gegen den Usurpator Jerusalems. Der Kaiser unterdrückt den Aufstand mit Waffengewalt, viele Juden und auch Christen lassen ihr Leben. Doch der jüdischen „Millionenarmee“ gelingt es, den Kaiser einzuschließen. Der Kaiser kann entkommen, und am Toten Meer ereignet sich die Endschlacht: Die Erde öffnet sich und verschlingt den Kaiser mit seinem Magier Apollonius und allen Regimentern. Christus erscheint am Himmel und zeigt seine Wundmale. Alle vom Antichrist getöteten Gläubigen erwachen zu neuem Leben und beginnen „für tausend Jahre mit Christo zu herrschen“.

 

Habt Acht vor dem Antichrist

Wer das Christentum auf reine Werte oder ein Ideensystem verkürzt, predigt leere Löcher mit christlichen Etikett. Doch im Zentrum des Glaubens steht ein Ereignis, die Begegnung mit einer Person: Jesus Christus

von giacomo kardinal biffi

 

Ein Denker und ein Prophet der Moderne

Die westliche Philosophie hat Wladimir Solowjew bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Hans Urs von Balthasar bezeichnete das Werk Solowjews zwar als „die universellste spekulative Schöpfung der Moderne“. Aber noch steht die Wiederentdeckung dieses russischen Denkers aus. Solowjew ist ein sehr starker und origineller Autor, der praktisch die gesamte philosophische Literatur des vergangenen Jahrhunderte gekannt und umgesetzt hat. Der christliche Glaube und die Vernunft sind bei ihm gleichermaßen klar und lebendig, erhellen und stützen sich zugleich. Da nimmt es nicht wunder, dass sein Werk der Zensur der dominierenden Dogmatik des laizistischen Denkens nicht standhalten konnte.
Wer sich ihm ohne Vorurteile nähert, erliegt in der Regel jedoch seinem Zauber. Es besteht also die Hoffnung, dass sein wohltuender Einfluss zunehmen wird, nachdem ihm auch in Russland freie Verbreitung gewährt wurde.
Ich möchte hier keine schematische Einführung in die Gedankenwelt Solowjews geben, sondern mich darauf beschränken, seine prophetische Warnung nachzuzeichnen, die meiner Ansicht nach für das Christentum von heute äußerst aktuell ist und in dem letztem Werk Solowjews enthalten ist: „Drei Gespräche über Krieg, Fortschritt und das Ende der Weltgeschichte mit Einschluss einer kurzen Erzählung vom Antichrist“. Zusammengefasst könnte die Warnung lauten: Habt Acht vor dem Antichrist!


Der Antichrist in der Tradition

Als Thema gehört die Gestalt des Antichrists zum Erfahrungsschatz der Offenbarung. Jede christliche Generation wurde von seinem beunruhigenden Zauber berührt. Jesus Christus selbst hatte angekündigt, es würden „falsche Messiasse aufstehen und falsche Propheten, und sie werden große Zeichen und Wunder tun“ (Mt 24, 24). Der heilige Paulus spricht vom „Menschen der Gesetzlosigkeit“, vom „Widersacher“, dem „Sohn des Verderbens“, der offenbar werden müsse (2 Thess 2, 3). Der Begriff „Antichrist“, der dann in die Tradition einging, wurde nur vom Apostel Johannes in seinem ersten Brief verwendet: „...und wie ihr gehört habt, dass der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen erstanden“ (1 Joh 2,18). Aus diesen Schriftzitaten geht bereits hervor, dass die christliche Tradition von Anfang an von vielen Widersachern spricht, die gegen den Heilsplan des Vaters aufbegehren und sich in den verschiedenen Epochen als Verkünder des Evangeliums und Heilsbringer tarnen.
Im religiösen Bewusstsein Russlands hatte das Thema des Antichristen immer ein besonderes Gewicht, vor allem nach dem Schisma im siebzehnten Jahrhundert. Auf literarischem Gebiet genügt der Hinweis auf die berühmte Trilogie „Christus und der Antichrist“ von Dmitry Mereschkowski, die etwa zur gleichen Zeit erschienen ist wie die hier besprochene Erzählung Wladimir Solowjews.
Solowjew setze sich erst in seinen letzten Lebensmonaten mit dem Thema des Antichrists auseinander. Doch war es in ihm bereits in frühester Kindheit lebendig gewesen. Eine Begebenheit, die er in seiner Autobiographie schildert, geht zurück auf sein siebtes Lebensjahr:
„Die religiöse Begeisterung trieb mich dazu, Mönch zu werden; und im Hinblick auf die möglicherweise bevorstehende Ankunft des Antichrists wünschte ich, ein Märtyrer des Glaubens zu werden. So begann ich, mir selbst Qualen aufzuerlegen.“
Wie aber sieht nun der Glaube der Kirche die Figur des Antichristen? Es gibt einige bestimmende und besondere Merkmale:

Im Kern ist er eine Figur, die im Dienste des Bösen steht: sein Ziel ist es, die Menschheit zum Untergang zu führen. Sein Mittel ist die Hinterlist. Da Jesus Christus, der gekreuzigte und auferstandene Sohn Gottes, der einzige Erlöser der Welt ist, richtet sich sein verderbendes Handeln hauptsächlich gegen Jesus. (vgl. 1 Joh 4,3)
Äußerlich scheint der Antichrist im Dienste des Guten und unseres Heils zu stehen. Da das Heil im Plan Gottes im Evangelium enthalten ist, tarnt er sich mit dem Christentum, verbreitet „Werte“, die für Werte des Evangeliums gehalten werden können, benutzt eine Sprache, die der Sprache Jesu mehr oder weniger gleichförmig ist, „so dass, wenn es möglich wäre, sogar die Auserwählten irregeführt würden“. (Mt 24,24) Der heilige Paulus spricht von „Lügenaposteln“, die sich „als Apostel Christi ausgeben“. (2 Kor 11,13) Und er fügt hinzu: „Doch ist es nicht verwunderlich, verwandelt sich doch der Satan selbst in einen Lichtengel.“ (2 Kor 11,14)

Um den Antichristen in seiner wahren Natur zu erkennen, muss man auf sein Verhältnis zum gekreuzigten und auferstandenen Gottmenschen achten. Über alles kann er fast wie ein wirklicher Jünger des Herrn sprechen, sogar wie der Herr selbst, dessen Auftreten und Sprache er übernimmt. Doch dem heilsbringenden Ereignis der Fleischwerdung und der Auferstehung darf er nicht beipflichten. Schließlich ist das Christentum primär kein Ideensystem, sondern eine Tatsache, und zwar die des Tods und der Auferstehung Jesu Christi. Nicht derjenige kann sich als Christ bezeichnen, der der Lehre des Evangeliums in gewisser Weise oder unter bestimmten Gesichtspunkten beipflichtet, sondern wer das Ereignis des Christentums akzeptiert. Solange über Auffassungen und „Werte“ diskutiert wird, kann sich die teuflische Hinterlist noch verbergen. Doch angesichts des faktischen Ereignisses hilft ihr keine Verkleidung mehr.


Die letzten Überlegungen Solowjews

Als er mit der Niederschrift der „Drei Gespräche“ begann, hatte Solowjew die Hoffnung aufgegeben, dass die großartigen Pläne, für die er sich so eingesetzt hatte, zu seinen Lebzeiten noch verwirklicht werden könnten: eine freie Theokratie, die Versöhnung der Kirchen, die Errichtung des Reiches Gottes auf Erden. Diesen letzten Traum teilte er mit Fjodor Dostojewski, wie er selbst im ersten der drei Gespräche schrieb: „Er (Dostojewski) glaubte nicht nur an das vergangene Reich Gottes, sondern auch an das zukünftige, und er wusste, dass zu seiner Verwirklichung viel aufopfernde Arbeit notwendig sein würde.“
Als er im Alter von 46 Jahren diese Zeilen schrieb, war Solowjew körperlich erschöpft und innerlich entmutigt. Entmutigung bedeutet jedoch nicht zugleich Verlust des Glaubens. Im Gegenteil: Im Leid hatte sich sein Glaube verfeinert und vertieft, und sein prophetisches Charisma war durchdringender geworden, wie einige seiner Zukunftsvisionen zeigen.
Mit Blick auf das beginnende zwanzigsten Jahrhundert kündigte Solowjew „die Epoche der letzten großen Kriege, der inneren Kämpfe und der Revolutionen“ an. Wenige Wochen vor seinem Tod berichtet er einem Freund: „Ich fühle, dass eine Zeit kommt, in der sich die Christen zum Gebet wieder in den Katakomben treffen müssen. Der Glaube wird überall verfolgt werden, vielleicht nicht so grausam wie zu Neros Zeiten, jedoch subtiler und grausamer mit Hilfe der Lüge, des Betrugs und der Verfälschung.“
Im Vorwort zu den „Drei Gesprächen“ legt er – gegen den Naturalismus Leo Tolstois, der weder Dämonen noch Erlöser kennt – äußerst klarsichtig dar, dass es für den Menschen lebenswichtig sei, das Problem des Bösen ernst zu nehmen und an die Notwendigkeit eines transzendenten, erlösenden Ereignisses zu glauben: „Ist das Böse vielleicht nur ein Fehler in der Natur, eine Unvollkommenheit, die von selbst durch die Entwicklung des Guten verschwindet, oder eine tatsächliche Kraft, die die Welt durch ihre Verführung beherrscht, so dass man für einen siegreichen Kampf die Unterstützung einer anderen Lebensordnung braucht?“ Diese Frage steht am Anfang des Buches. Und auch heute verwirrt sie die Menschheit und spaltet die Gemüter.
Die Überlegungen zum Ende der Weltgeschichte, die der Niederschrift dieser letzten Seiten zugrunde liegen, hat Solowjew bereits 1896 in einem Brief an seinen Freund Eugène Tavernier ausgeführt. Sie können in drei kurzen Stichworten zusammengefasst werden, die jedem illusorischen Optimismus widersprechen, in dem auch er selbst sich früher gewiegt hatte.

„Das Evangelium wird in der ganzen Welt gepredigt werden: Die Wahrheit wird sozusagen der ganzen Menschheit angeboten, allen Nationen“ (vgl. Mt 24,14: „Und es wird dieses Evangelium vom Reich verkündet werden in der ganzen Welt, zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“).
„Der Menschensohn wird nur wenig Glauben auf der Erde vorfinden; das bedeutet, dass die echten Gläubigen nur eine unbedeutende Minderheit sein werden, während der Großteil der Menschheit dem Antichristen nachfolgen wird“ (vgl. Lk 18,8: „Wird freilich der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben finden auf Erden?“; Mt 24,12.13: „Weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe der vielen erkalten. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden“; 2 Thess 2,3: „zuerst muss der Abfall kommen“; 2 Tim 4, 3.4: „Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach eigenen Gelüsten sich Lehrer zusammensuchen, weil sie nach Ohrenkitzel verlangen. Von der Wahrheit werden sie das Ohr abwenden und den Fabeleien sich zuwenden.“). Deswegen, so stellt Solowjew fest, „muss man den Gedanken der weltlichen Macht und Größe der Theokratie als unmittelbares Ziel der christlichen Politik aufgeben.“
„Nach einem kurzen und erbitterten Kampf werden die Anhänger des Bösen jedoch besiegt, und die Minderheit der wahrhaft Gläubigen wird vollständig triumphieren“ (vgl. Mt 24,31: „Er wird seine Engel aussenden... und sie werden zusammenführen seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern.“).

Solowjew fügt jedoch hinzu, dass „die Sicherheit des endgültigen Triumphs die Minderheit der Gläubigen nicht zu einer passiven Haltung verführen darf. Dieser Triumph kann kein reiner einfacher Akt der Allmacht Christi sein, denn dann wäre die gesamte Geschichte des Christentums überflüssig. Es liegt auf der Hand, dass Jesus Christus unsere Mitarbeit braucht, um gerecht und endgültig über den Antichristen zu triumphieren“.
Diese Gedanken teilte Solowjew 1886 seinem Freund Tavernier mit. Vier Jahre später goss er sie dann in der Erzählung vom Antichrist in eine dramatische Form.


Der Antichrist

Wir sind also bei unserem eigentlichen Thema angelangt.
Solowjew sah in seiner Erzählung vom Antichrist voraus, dass die Völker nach den großen Kriegen des zwanzigsten Jahrhunderts und wegen der großen Verwüstungen, die ihre Rivalität angerichtet hatte, die Vereinigten Staaten von Europa gründen würden. „Doch die Gegenstände des inneren Bewusstseins – die Fragen nach Leben und Tod, nach dem endgültigen Schicksal der Welt und des Menschen – sind durch eine Vielzahl neuer physiologischer und psychologischer Forschungen und Entdeckungen nur noch verwickelter und verwirrter geworden. Nur ein wichtiges negatives Resultat tritt mit einer größeren Klarheit hervor: der endgültige Zusammenbruch des theoretischen Materialismus.“
Es werde aber nicht so sein, heißt es in der Erzählung weiter, dass der Glaube dadurch größere Stärke und Verbreitung gefunden hätte. Im Gegenteil, Ungläubigkeit breite sich aus. Schließlich sei die europäische Kultur vollkommen ausgehöhlt und leer. Und in diese Leere tauche die Gegenwart und die Tätigkeit des Antichrists hinein – und das mit Erfolg.
Mehr als die von Solowjew vorausgesehenen Ereignisse – in denen der Antichrist zuerst Präsident der Vereinigten Staaten Europas wird, dann, zum Römischen Kaiser gekrönt, sich der ganzen Welt bemächtigt und schließlich auch das Leben und die Organisation der Kirche in seine Gewalt bringt – sind die Eigenschaften von Bedeutung, die er dieser Figur zuschreibt.
Er sei, wie Solowjew schrieb, „ein überzeugter Spiritualist“. Er glaube an das Gute und sogar an Gott, „doch er liebte niemanden außer sich selbst“. Er sei ein Asket, ein Gelehrter, ein Philanthrop und darüber hinaus in seiner frühesten Jugend als Gelehrter und scharfsinniger Exeget aufgefallen: Eine von ihm verfasste umfangreiche Bibelkritik hatte ihm ein Doktorat honoris causa an der Universität Tübingen gebracht.
Doch dieses Buch, das ihm weltweiten Ruhm und Zustimmung eingebracht hatte, trug den Titel: „Der offene Weg zu Frieden und Wohlfahrt der Welt“. Solowjew schreibt: „Edle Ehrfurcht vor den alten Überlieferungen und Symbolen wird sich hier verbinden mit einem weiten und kühnen Radikalismus sozialpolitischer Forderungen und Weisungen, eine unbegrenzte Freiheit des Gedankens mit tiefstem Verständnis für alles Mystische, ein unbedingter Individualismus mit brennendem Eifer fürs Gemeinwohl, der erhabenste Idealismus der leitenden Prinzipien mit voller Bestimmtheit und Lebendigkeit der praktischen Lösungen.“
Einige Gläubige fragen sich in der Erzählung, warum der Name Christi in dem Werk kein einziges Mal genannt werde. Andere jedoch antworteten: „Der Inhalt des Buches ist von echtem christlichen Geist durchdrungen, von tätiger Liebe und weltweitem Wohlwollen, was wollt ihr mehr?“
Andererseits war der neue Weltherrscher grundsätzlich nicht gegen Christus eingestellt. Er schätzte sogar dessen gute Absichten und das hohe Niveau seiner Lehren. Drei Dinge konnte er jedoch bei Jesus nicht akzeptieren:
Das erste war das moralische Fordern Jesu. „Als Moralist“, schreibt der Weltenherrscher bei Solowjew, „trennte Christus die Menschen durch die Unterscheidung von Gut und Böse, ich werde sie vereinigen durch die Güter, deren Gute und Böse in gleicher Weise bedürfen“.
Außerdem gefiel ihm die „absolute Einzigartigkeit“ Christi nicht. Er ist nur einer von vielen. Oder besser, sagte er sich: Er war mein Vorgänger, denn der vollkommene und endgültige Erlöser bin ich, der ich seine Botschaft von dem gereinigt habe, was für den heutigen Menschen inakzeptabel ist.
Vor allem konnte er die Tatsache nicht ertragen, dass Christus lebte, so dass er eindringlich immer wiederholte: „Er ist nicht auferstanden, ist nicht auferstanden! Verfault, verfault ist er im Grab.“


Der Gegensatz zu Tolstoi

Hatte Solowjew bei dieser Beschreibung des Antichristen, die so reich an suggestiven Details ist, eine konkrete Person vor Augen? Möglicherweise wird er in diesem Text auf das „neue Christentum“ angespielt haben, dessen wirksamer Vertreter in jenen Jahren Leo Tolstoi war.
Zwischen dem Philosophen und dem Schriftsteller hatte es Begegnungen und einen Briefwechsel gegeben, auch einige gegenseitige positive Wertungen. Im Endeffekt war das Unverständnis zwischen diesen beiden großen Männern und die Unvereinbarkeit ihrer Positionen klar und grundlegend. Das ist umso bedeutsamer, wenn man bedenkt, dass ihre Einstellung zu vielen Einzelfragen (Todesstrafe, Weltfrieden, Kampf gegen den Nationalismus, Liebe zur Natur) weitgehend übereinstimmte.
In einem Brief an Tolstoi, der vielleicht der deutlichste Versuch einer Annäherung war, schrieb Solowjew 1894 an seinen Gegenspieler: „Die Ursachen unserer Gegnerschaft lassen sich alle auf einen konkreten Punkt zurückführen: die Auferstehung Christi.“ Tatsächlich ist das nicht nur das Herzstück des Christentums, sondern jeder Gesamtvision der Welt, zumindest was Solowjews Standpunkt betrifft.
In seinem „Evangelium“ reduziert Tolstoi das gesamte Christentum auf fünf Verhaltensregeln, die er aus der Bergpredigt ableitet:

Du sollst nicht töten und dich auch nicht gegen deinen Bruder erzürnen.
Du darfst der Wollust nicht nachgeben und nicht einmal dein eigenes Weib begehren.
Du darfst dich nie durch einen Schwur binden.
Du sollst dem Bösen nicht nur widerstehen, sondern du sollst in jedem Fall bis zuletzt das Prinzip der Gewaltlosigkeit anwenden.
Liebe, helfe und diene deinem Feind.

Diese Grundsätze kommen der Auffassung Leo Tolstois zufolge zwar von Christus, bedürfen aber für ihre Gültigkeit keineswegs der Existenz des lebendigen Gottessohnes. In Tolstois „Evangelium“ ist Christus bei näherer Betrachtung überflüssig, ja, es gibt sogar weder einen Platz für den Gott-Menschen Jesus noch für den von den Toten Auferstandenen.
Die berühmte Antwort des Staretz Johannes auf den Antichristen ist in Solowjews Erzählung auch eine Antwort an Tolstoi und die direkte Widerlegung dessen Lehre: „Großer Herrscher! Das Teuerste am Christentum ist für uns Christus selbst  – Er selbst und alles, was von Ihm kommt: Denn wir wissen, dass in ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt.“ Sämtliche „Werte“ – einschließlich der höchsten und verfeinertsten moralischen Ansprüche wie der Tolstois – haben für uns keinen Sinn, wenn ihnen der einzige wahre Reichtum fehlt, die anbetungswürdige Person des Erlösers und die Tatsache unserer Auferstehung.
Solowjew identifizierte den großen Schriftsteller sicherlich nicht persönlich mit der „historischen“ Figur des Antichrists, nicht zuletzt deswegen, weil er den neuen Weltenherrscher als einen Mensch mit viel Sinn fürs Praktische beschreibt, der sich eher weniger mit moralischen Fragen auseinandersetzt. Mit außerordentlicher Klarsicht hat Solowjew jedoch vorausgesehen, dass gerade die Lehre Tolstois im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts das Mittel werden würde, um die Botschaft des Evangeliums durch die formelle Hervorhebung einer Ethik und Humanitätsliebe, die sich als christliche „Werte“ präsentieren, ihrer Substanz zu berauben.
Tatsächlich besteht darin der Zwiespalt vieler großherziger junger Menschen unserer Zeit, die beispielsweise von der Gewaltlosigkeit und der Verweigerung alles Militärischen überzeugt sind: Sie sind in gutem Glauben davon überzeugt, dass sie der Lehre Christi konsequenter folgen als die „Traditionellen“, während sie doch unbewusst die Jünger eines hervorragenden, edlen Schriftstellers mit besten Absichten sind, der jedoch ein radikaler Heide war.


Die prophetische Warnung Solowjews

Worin besteht demnach die „prophetische Warnung“, von der zu Anfang die Rede war?
Es werden Tage kommen, schreibt Solowjew – und wir können sagen, dass sie bereits gekommen sind –, in denen man im Christentum dazu neigen wird, die Tatsache der Erlösung, die nur durch den schwierigen, mutigen und rationellen Akt des Glaubens angenommen werden kann, in eine Reihe von „Werten“ aufzuspalten, die auf dem weltlichen Markt leicht abzusetzen sind.
Das Christentum als eine lediglich humanitäre Tätigkeit auf sozialem, philanthropischem und kulturellem Gebiet; die Botschaft des Evangeliums als Verpflichtung zum Dialog zwischen den Völkern und Religionen, zum Streben nach Wohlstand und Fortschritt, als Aufforderung zur Achtung vor der Natur; die Kirche des lebendigen Gottes, die Säule und Grundlage der Wahrheit (vgl. 1 Tim 3,15) als Organisation für Wohlfahrt, Ästhetik und Sozialisation: Das ist die tödliche Bedrohung, die sich für die vom Blute Christi Erlösten abzeichnet.
Vor dieser Gefahr müssen wir auf der Hut sein, warnt uns der bedeutende russische Philosoph. Obwohl es uns ein Christentum im Sinne Tolstois unendlich leicht machen würde, in der Gesellschaft und in den sozialen und politischen Organismen angenommen zu werden, können und dürfen wir nicht auf das Christentum Jesu Christi verzichten, das Christentum, in dessen Mittelpunkt der „Skandal“ des Kreuzes und die überwältigende Wahrheit der Auferstehung des Herrn stehen.
Jesus Christus, der gekreuzigte und auferstandene Sohn Gottes, der einzige Erlöser des Menschen, kann nicht in eine Reihe von guten Vorsätzen und Plänen „übertragen“ werden, die mit der dominierenden Mentalität der Gesellschaft übereinstimmen. Jesus Christus ist ein „Stein“, wie er selbst von sich gesagt hat: Entweder man vertraut sich diesem Stein an und wird ins Leben gerufen, oder man rennt gegen ihn an: „Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschmettert, und auf wen er fällt, den wird er zermalmen.“ (Mt 21, 44)


„Ereignis“ und „Werte“

Zweifellos ist das Christentum zuallererst ein „Ereignis“. Doch es steht ebenso außer Zweifel, dass dieses Ereignis unverzichtbare „Werte“ mit sich bringt und vertritt. Man kann nicht aus Liebe zum Dialog die christlichen Tatsachen in eine Reihe von Werten auflösen, die von den meisten Menschen gebilligt werden. Man kann jedoch ebenso wenig die Achtung vor den authentischen Werten verringern, als ob sie etwas Nebensächliches wären. Es ist also eine Unterscheidung notwendig.

Es gibt absolute (oder, wie die Philosophen sagen, transzendentale) Werte: beispielsweise das Wahre, das Gute und das Schöne. Wer sie anerkennt, ehrt und liebt, liebt Jesus Christus, auch wenn er es nicht weiß und sich möglicherweise für einen Atheisten hält, denn im tiefen Sein der Dinge ist Christus die Wahrheit, die Gerechtigkeit und die Schönheit.
Es gibt relative Werte, wie die Pflege der Solidarität, die Friedensliebe, die Achtung vor der Natur, die Bereitschaft zum Dialog und so fort. Diese bedürfen einer komplexeren Wertung, um den Gedankengang eindeutig klarzumachen. Solidarität, Frieden, Natur und Dialog können für den Nichtchristen die konkrete Gelegenheit für eine anfängliche und formlose Annäherung an Christus und sein Geheimnis sein. Wenn sie jedoch bei aller Aufmerksamkeit vollkommen von ihrer objektiven Wurzel losgelöst werden, oder sich im schlimmsten Fall gegen die Botschaft des Heils richten, dann werden sie zur Anstiftung zum Götzendienst und zu Hindernissen auf dem Weg zur Erlösung.

Auf dieselbe Weise können diese Werte – Solidarität, Frieden, Natur, Dialog, – für den Christen kostbare Anregungen zur Verwirklichung einer vollständigen und leidenschaftlichen Nachfolge Christi, des Herrn über Welt und Geschichte werden. Ein Beispiel hierfür ist der heilige Franz von Assisi. Doch wenn der Christ – aus Liebe zur Offenheit gegenüber der Welt und aus Liebe zur guten Nachbarschaft mit allen – die Heilswahrheit in seiner Bemühung um diese sekundären Ziele verwässert, dann schließt er sich aus der persönlichen Beziehung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Sohn Gottes aus, verfällt nach und nach der Sünde der Abtrünnigkeit und findet sich schließlich an der Seite des Antichristen wieder.


Leere Löcher mit christlichem Etikett

Im Vorwort zu den „Drei Gesprächen“ berichtet Solowjew, dass sich zu seiner Zeit in einigen russischen Regierungsbezirken eine neue Religion ausgebreitet hätte, bei der der Gottesdienst extrem vereinfacht worden sei. Die Anhänger „bohren in eine Ecke ihrer Isba (einer russischen Bauernhütte, A.d.R.) ein mittelgroßes Loch ... legen ihre Lippen daran und wiederholen eindringlich viele Male den Satz: „Rette mich, meine Isba, rette mich, mein Loch!“ Doch pflege man bei dieser unglaublichen Verirrung, merkt Solowjew an, zumindest noch die Tugend, die Begriffe korrekt zu gebrauchen: „Sie nannten die Isba Isba, und das Loch... nannten sie Loch.“
In unserer Welt hingegen gibt es Schlimmeres, fährt der Philosoph unbarmherzig fort. „Der Mensch hat seine alte Gradlinigkeit verloren. Seine Isba wird jetzt „Gottes Reich auf Erden“ genannt. Was das Loch betrifft, so nennt man es hier und da das „neue Evangelium“ – womit er in seiner Polemik gegen Tolstoi offener und aggressiver wurde.
Doch das Christentum ohne Christus und ohne die frohe Botschaft einer tatsächlichen und persönlichen Auferstehung „ist zu vergleichen mit einem leeren Raum, einem einfachen Loch in einer Bauernhütte.“
Ich hin der Auffassung, dass wir es heute mit einer Kultur der simplen „Öffnungen“ zu tun haben, der Freiheiten ohne Inhalte, dem existentiellen Nichts. Das ist die Tragödie unserer Zeit.
Doch die Tragödie wird noch größer, wenn man diesem „Nichts“, diesen „Öffnungen“, diesen „Löchern“ dem Dialog zuliebe ein täuschendes, christliches Etikett verleiht.
Außer Christus – dem konkreten Menschen, der lebendigen Wahrheit, dem konkreten „Faktum“ – gibt es nur die „Leere“ des Menschen und seine Verzweiflung. Nur in Christus findet der Mensch seine Erfüllung und seine einzige Hoffnung.

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