Editorial 3/2015

 

Mit dem Kopf durch die Wand

von Guido Horst

 

Nun soll alles ganz schnell gehen. Man sei ja keine Filiale Roms, meinte Kardinal Reinhard Marx zum Abschluss der Frühjahrsvollersammlung seiner Bischofskonferenz. Man könne jetzt nicht mehr warten, bis die Bischofssynode im Herbst Entscheidungen trifft. Das ist nicht ganz richtig, denn die Synode fällt keine Entscheidungen, sie berät den Papst und legt ihm – mit großen Mehrheiten verabschiedete – Empfehlungen vor. Aber ist nicht so schlimm, wir wissen schon, was der Münchener Kardinal sagen wollte. Die kommende Bischofsversammlung wird sich mit Ehe und Familie im Kontext der Neuevangelisierung befassen, den Deutschen liegt aber vor allem am Herzen, bei der Zulassung von Wiederverheirateten zu den Sakramenten den von Kardinal Walter Kasper vorgezeichneten Weg durchzusetzen. Da das aber auf der kommenden Synode einfach nicht mehrheitsfähig ist, machen die deutschen Bischöfe das jetzt alleeene. In der Pastoral, so Marx, können man sich ja nicht von Rom vorschreiben lassen, was man in der eigenen Heimat tut. Es gab Zeiten, da sprach man auch in der Kirche deutschsprachiger Zunge gerne von Communio. Die wird jetzt mal eben ausgesetzt. Die Deutsche Bischofskonferenz macht jetzt ihr eigenes Ding. Fans einer deutschen Nationalkirche werden jubeln, alle deutschen Bischöfe tun das sicher nicht. Es gibt eine ganz Reihe von ihnen, die den vom Vorsitzenden vorgegebenen Kurs nicht mitragen. Aber diese Minderheit hat sich, wie es in einem Bericht der Katholischen Nachrichten-Agentur hieß, ins Schweigen zurückgezogen und hofft darauf, dass die afrikanischen Bischöfe auf der Synode schon alles richten werden. Wenn das nicht wieder so ein Fall ist, wo die aufblühenden Kirchen der so genannten Dritten Welt nach Europa kommen und Entwicklungshilfe leisten.
Aber warum hat es die Mehrheit der deutschen Bischöfe so eilig? Sie haben das Kasper-Modell eifrig beworben und müssen jetzt Erfolge zeigen. Sonst schadet das dem eigenen Ruf, noch mehr Menschen treten dann aus der Kirche aus – weil die ja ihrer alten Verbots-Moral treu bleibt – und das mit den bedauerlichen Folgen für die Einnahmen aus Kirchensteuern. Der Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, hat zu Beginn der Vollversammlung darauf hingewiesen, wo es brennt: In keiner Region der ehemaligen Ostblockstaaten gehe der Glaube an Gott so stark zurück wie in den neuen Bundesländern. Da lägen die Prioritäten. Aber die deutschen Bischöfe haben ein Prestige-Projekt. Die Kommunion für Wiederverheiratete muss her. Synode hin, Synode her: Der Erwartungsdruck der deutschen Öffentlichkeit ist hoch. Das zumindest meinen sie. Also heißt es: Mit dem Kopf durch die Wand. Schöne Worte, wie man das dann in Rom verkauft, wird man später schon finden. Vielleicht auch wieder das von der Communio.

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