Editorial 1/2015

 

Cuba Libre: Ein Erfolg für den Papst

von Guido Horst

 

Trotz aller Klagen – das neue Jahr beginnt mit einer positiven Entwicklung: Kuba und die Vereinigten Staaten söhnen sich aus. Und es war der Papst, der diesen historischen Friedensschluss eingeleitet hat. Die Zeiten sind vorbei, wo das Oberhaupt der katholischen Kirche noch wie der Borgia-Papst Alexander VI. die Neue Welt zwischen Spanien und Portugal aufteilen konnte. Aber aufgrund seiner unabhängigen Stellung und mangels eigener politischer Ambitionen war es dem Heiligen Stuhl bis in die letzten Jahrzehnte hinein immer wieder möglich, vor allem in Lateinamerika und in Ländern der so genannten Dritten Welt Friedensschlüsse zu vermitteln.
Als die Nachricht vor Weihnachten durch die Weltmedien lief, wurden Erinnerung an die Kuba-Krise wieder wach: Auf deren Höhepunkt im Oktober 1962 sandte Johannes XXIII. eine Botschaft an Nikita Chruschtschow und eine an John F. Kennedy. Die Gefahr eines dritten Weltkriegs wurde gebannt. Aber weder in den Erinnerungen des damaligen sowjetischen Außenministers Andrej Gromyko noch in dem minutiösen Protokoll der tausend Tage des Präsidenten Kennedy aus der Feder von Arthur Schlesinger findet sich der geringste Beleg dafür, dass die Intervention des Papstes aus Rom dabei irgendeine Rolle gespielt hätte.
Das war jetzt anders – jetzt, wo sich nach über sechzig Jahren der Konflikt zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten aufzulösen scheint. Zeitgleich haben Barack Obama und Raul Castro am 16. Dezember bei der Ankündigung der Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehung ihrer Staaten ausdrücklich dem Vatikan und vor allem Papst Franziskus für deren Vermittlung gedankt. Bereits im vergangenen März, als Obama mit dem Papst im Vatikan zusammentraf, müssen beide über Kuba gesprochen haben. Zwei Briefe von Franziskus sind sodann an den amerikanischen und den kubanischen Präsidenten gegangen, in denen es um den Austausch von Gefangenen ging, in Havanna um die Entlassung des inhaftierten Amerikaners Alan Gross, der in die Vereinigten Staaten ausreisen konnte. Ein großer Erfolg für den Papst, aber ebenso ein Verdienst der vatikanischen Diplomatie, die unter der Leitung von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin völlig diskret und geräuschlos gearbeitet hat – mit der Unterstützung des Episkopats in Kuba. Auch dürfte sich ausgezahlt haben, dass Kuba das einzige kommunistische Land der Erde war und ist, zu dem der Vatikan nie die diplomatischen Beziehungen abgebrochen hatte. Vor aller Welt hat der Papst demonstriert, dass der Vatikan nach wie vor in der Lage ist, mit seiner moralischen Autorität und seinem diplomatischen Apparat für den Frieden und die Versöhnung der Völker zu arbeiten. Wäre das nur auch im Mittleren und Nahen Osten möglich, wo die Kirche auf der Stelle tritt und dem Leid der verfolgten Christen fast tatenlos zusehen muss. Da ist Kuba ein Signal, das nach dem fürchterlichen Jahr des Mordens und des Exodus der Fliehenden in Syrien und im Irak wieder etwas Hoffnung macht.

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