VATICAN-magazin

Editorial

Allein den Betern

von Guido Horst

Der Terror zum Fest der Auferstehung in Sri Lanka hat wieder einmal gezeigt, wo die Christen heute stehen: Mitten in der größten Verfolgung, die es – zumindest was die absoluten Zahlen angeht – in der Geschichte je gegeben hat. Und wieder haben die Islamisten nicht gefragt, ob ihre Opfer katholisch, evangelisch, anglikanisch oder sonst etwas sind, sondern es interessierte sie nur, die Kirchen zu treffen, in denen sich die Anhänger der Religion des Kreuzes versammeln. Die Ökumene des Blutes zieht ihre Kreise. Bis nach Rom drangen die Schockwellen vor, wo Papst Franziskus ein trauriges Osterfest feierte. Wie will man sich richtig freuen, wenn solche Gewaltorgien Brüder und Schwestern überziehen, auch wenn sie im fernen Asien ihren Glauben leben. Die islamistischen Gewaltviren wurden in Syrien nicht besiegt. Seitdem Johannes Paul II. vor fast dreißig Jahren den Angriff der Alliierten auf den Irak als „unnützes Gemetzel“ geißelte und mit prophetischen Worten davor warnte, mit den Militärschlägen den Eindruck eines neuen Kreuzeszuges zu erwecken, bekommt der Westen nicht mehr den Deckel auf das Fass, das er damals aufgemacht hat. Bis heute bezahlen Christen mit ihrem Leben für die Gewaltspirale, die sich seither dreht und dreht.

Doch das Osterfest war nicht nur durch die Bilder aus Sri Lanka geprägt. Vorher hatte die Kathedrale Notre Dame in Paris gebrannt. Und der emeritierte Papst war kurz zuvor noch einmal an die Öffentlichkeit gegangen, um auf einen anderen Schwelbrand hinzuweisen. Den, der sich im Inneren durch die Kirche des Westens frisst. Dass Benedikt XII. seine Analyse der Missbrauchskrise zunächst im bayerischen „Klerusblatt“ veröffentlicht sehen wollte, erweckt den Eindruck, dass er in die Richtung der deutschen Kirchenführung sprechen wollte, die soeben als Reaktion auf den Glaubwürdigkeitsverlust durch die Missbrauchskrise einen Synodalen Weg beschlossen hat, in dem es auch um den Zölibat, die Frauenfrage und die Neubewertung der Sexualmoral gehen soll. Dass das für den Emeritus nicht der Weg ist, den es einzuschlagen gilt, spricht aus jeder Zeile seines Aufsatzes. Joseph Ratzinger diagnostiziert einen „Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie“ vor dem Hintergrund eines „ungeheuerlichen Vorgangs“ innerhalb der Gesellschaft in den Jahren 1960 bis 1980, in denen „die bisher geltenden Maßstäbe in Fragen Sexualität vollkommen weggebrochen sind und eine Normlosigkeit entstanden ist, die man inzwischen abzufangen sich gemüht hat.“

Dieser Normlosigkeit gelte es zu wehren: in der Priesterausbildung und im Leben des Klerus, durch eine neue Sicht auf das Kirchenrecht und dessen Anwendung, bei denen nach dem Zweiten Vatikanum zu sehr die Rechte der Angeklagten und nicht der Schutz des Glaubens im Vordergrund standen – Benedikt spricht vom „Garantismus“ als Gründe für Vertuschung und mangelnde Aufklärung – und vor allem durch eine spirituelle Erneuerung, das heißt eine radikale erneute Hinwendung zu Gott. Da der Kindesmissbrauch für den emeritierten Papst im Letzten durch die „Abwesenheit Gottes“ begründet ist, besteht für ihn die „Medizin“ darin, „dass wir selbst wieder anfangen, von Gott und auf ihn hin zu leben“.

Ostern war also in diesem Jahr ein ernstes Fest. Alles das spiegelt sich in dieser Ausgabe unseres Magazins wider. Geschichte ist für Getaufte und Gläubige immer auch Heilsgeschichte. „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten“, dichtete Reinhold Schneider 1933. Ostern 2019 – das war wie eine Mahnung zu mehr Gebet.


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