VATICAN-magazin

Der Essay

Die Mahnung der Putten

Was sie uns sagen können, die stummen Babys in der christlichen Kunst

von Bertram Karl Steiner

Auf meinem Schreibtisch liegt ein barockes Engelsköpfchen aus Stein. Es ist arg verwittert, vor Jahrzehnten habe ich es gefunden, unweit einer Kirche, in einem Schutthaufen. Offenbar hatte man es im Zuge irgendeiner „Erneuerung“ entsorgt. Ein solcher Putto galt damals als nicht mehr zeitgemäß und wurde daher nicht mehr als würdig empfunden, lustig durch die intellektuellen Konstrukte fortschrittlicher Experten zu flattern, wo sie dieselben womöglich bei der Pflege ihres Scharfsinnes verstören könnten. Keine Spur vom Körperchen oder den Flügeln war auf dem Schutthaufen zu finden. Also hob ich den Kopf des steinernen Babys auf und nahm es mit. Es schielt ein wenig, vielleicht in Ekstase, wer weiß, wem dem Bildhauer den Meißel geführt hat. Es war die erste bewusste Begegnung mit den Putten. In vielen Kirchen und Stiften, ja, da tollen sie allenthalben noch wild herum, besetzen Altäre und Bibliotheken, aber eigentlich nehmen wir sie nicht mehr war. Sie gehören sozusagen zum selbstverständlichen kirchlichen Personal. Herzig, ungebärdig, Gottes entfesselter Kindergarten.


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