VATICAN-magazin

Editorial

Mysterium fidei!

von Guido Horst

Dass in diesem Heft die Eucharistie im Vordergrund steht, hat sicherlich mit dem Fest Fronleichnam zu tun. Aber nicht nur. Auch nicht damit, dass Franziskus die wunderschöne Prozession mit dem Papst von der Lateranbasilika nach Santa Maria Maggiore abgeschafft und diese nach Ostia verlegt hat. Generell ist das Allerheiligste in Gefahr. Was ist in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren nicht alles zu den wiederverheirateten Geschiedenen gesagt worden, oder zu dem nicht-katholischen Ehepartner in einer gemischt-konfessionellen – Entschuldigung: konfessionsverbindenden – Ehe. Aber wer spricht noch von der Eucharistie? Darüber, dass sie der größte Schatz in der katholischen Kirche ist? Weil sie konkret und real den göttlichen Erlöser gegenwärtig macht.

Christus selbst wollte es so, dass die Eucharistie nicht als etwas Symbolisches gefeiert wird. Mit „großer Sehnsucht“, so sagt er bei Lukas, „hat es mich verlangt, dieses Mahl mit euch zu essen“. Etwas Bedeutungsvolles kündigte sich an. Er nahm Wein und Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es mit den Worten: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Dann reichte er ihnen den Wein: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“ Jesus sagte das zu Männern, die nicht gewohnt waren, in Symbolen zu reden, und sich auch nicht wie die Schriftgelehrten unserer Zeit mit Begriffsdeutungen und Wortinterpretationen abgaben. Er wusste, dass sie ihn wörtlich nehmen würden. Trotzdem oder gerade deswegen sprach er so deutlich von seinem Leib und seinem Blut, vom neuen Bund, und erteilte den Auftrag, diese Handlung zu seinem Gedächtnis weiterhin zu begehen.

Die Kirche hat zweitausend Jahre an dem Auftrag Jesu festgehalten, in der Liturgie der Messe nach den Wandlungsworten aber auch den Ruf „Mysterium fidei! – Geheimnis des Glaubens“ eingefügt. Die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib Christi – und zwar nicht der Bedeutung und dem Sinn nach, sondern wirklich und tatsächlich – bleibt ein undurchdringliches Offenbarungsgeheimnis. Es wäre Anmaßung, wenn der Mensch versuchen wollte, das, was dort vor zweitausend Jahren geschehen ist und sich seither in jeder heiligen Messe wiederholt, nach dem jeweiligen Wissensstand seiner Zeit einordnen und irgendwie greifbar machen zu wollen. Das eucharistische Mahl ist die sakramentale Vergegenwärtigung der Heilstat Christi am Kreuz. Es ist die unblutige Wiederholung des Opfertodes Christi, eines Opfers allerdings, bei dem nicht mehr der Mensch eine Gabe opfert, um Gott zu versöhnen, sondern der Sohn Gottes sich selbst hingibt. Nicht der Mensch mit seinen Gaben, sondern Gott selbst als Opfergabe ist Herr der Eucharistie, die der Kirche auf ihrem Weg mitgegeben ist, über die sie aber nicht frei verfügen kann.

Die Einsetzung der Eucharistie ist zugleich Offenbarung. „Gott sagt, was er will, und was er will, ist“, schrieb Romano Guardini zu diesem großen Geheimnis des Glaubens. Die Realpräsenz Christi in der Messe ist kein Bild, das man deuten kann oder hinter dem eine immer weiter zu ergründende Symbolik liegt. Den Gläubigen – von den Päpsten und Kardinälen angefangen bis zum einfachen Laien in der Kirchenbank – bleibt nichts anderes übrig, als den Wunsch Christi zu akzeptieren. Dem Glauben der Väter treu zu bleiben, fällt schwer, besonders dann, wenn der Druck von außen zunimmt, dieses Geheimnis den allgemeinen Regeln der Gemeinschaft und eines harmonischen Zusammenseins zu unterwerfen, und wenn im Inneren der Glaube schwach zu werden droht. Doch mit der Eucharistie spielt man nicht. Auch nicht dann, wenn man den getrennten Brüdern und Schwestern im ökumenischen Dialog einen Schritt näher kommen will.


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