VATICAN-magazin

Editorial

Ohne Auferstehung wäre alles leer

von Guido Horst

„Nichts in der Heiligen Schrift deutet darauf hin, dass die Apostel eine Auferstehung in irgendeinem Sinn erwartet hätten; sie haben vielmehr dem Gedanken widerstrebt und sind von der Tatsache bezwungen worden.“ So schreibt der vor fünfzig Jahren verstorbene Romano Guardini in seinem Beststeller „Der Herr“. Eine Tatsache war es, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Die in der modernen Theologie fast zum Grunddogma gewordene Rede davon, dass man den „historischen Jesus“ – von dem man nicht viel wisse – vom „kerygmatischen Jesus des Glaubens“ – der in der inneren Erfahrung der Jünger und der frühen Gemeinde entstanden sei – trennen müsse, will den dem neuzeitlichen Menschen unerträglich vorkommenden Bericht von der Auferstehung eines Toten und den nachösterlichen Erscheinungen des Gekreuzigten vor seinen Aposteln doch irgendwie erklärbar machen. Nicht das Wieder-Lebendigwerden eines Gekreuzigten habe es damals gegeben, sondern die aus der inneren Erschütterung und Verzweiflung der Jünger geborene Gestalt des Messias, der in den Himmel aufgefahren ist. Doch die Folge dieser Konstruktion: Ostern als Fest der wirklichen Auferstehung des Herrn ist heute der sich selbst entfremdetste aller christlichen Feiertage. Von den Regalen in den Supermärkten grüßt der Osterhase.

Gläubige, die mit ihrem gesunden Menschenverstand den Berichten der Evangelien einfach trauen, weil es abwegig ist, dass aus der inneren Depression der versprengten Jüngerschar plötzlich ein wirkmächtiger Auferstehungsglaube erwächst, halten nichts von der psychologischen Osterkonstruktion. Guardini geht im Anschluss an das oben Zitierte kurz darauf ein: „Nun könnte man erwidern, das sei eben das Wesen solcher religiösen Innewerdungen und Visionen, dass das bewusste Empfinden sich gegen sie zu wehren scheint und überwältigt werden muss, obwohl – nein gerade weil sie aus dem darunterliegenden unbewussten Inneren kommen.“ Dann aber stellt der Autor von „Der Herr“ unmissverständlich fest: „Das mag sein; doch müssen sie (die Innewerdungen und Visionen) in ihrer Form dem allgemeinen Seelen- und Geistesleben des Erfahrenden entsprechen. Die Gestalt eines menschgewordenen Gottes aber, der seine Leiblichkeit in den himmlischen Zustand mitnähme, war der jüdischen Denkweise so fremd als möglich. Niemals hätte das Unbewusste galiläischer Fischer mit einem solchen Bilde ihre Depression überwunden.“

Und Guardini fügt hinzu: „Endlich und vor allem wäre zu sagen, dass ein solches Ergebnis religiöser Erschütterung sich wohl durch einige Zeit hindurch hätte halten können, durch einige erregte Jahre, oder während eines Zustandes dumpfer Geistigkeit – niemals aber daraus etwas von solcher Weltmächtigkeit wie das Christentum hervorgegangen wäre, das unlösbar mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu verbunden ist. Man muss blind sein, um Derartiges zu behaupten! Doch die ihrem Anspruch nach so sehende Wissenschaft ist auch oft genug blind – dort nämlich, wo ein stummer Wille ihr gebietet, nicht zu sehen.“

Die Osterzeit, das sind ideale Tage, um sich des Fundaments des christlichen Glaubens neu zu vergewissern: der Menschwerdung Gottes und der Auferstehung des Gekreuzigten. „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und unser Glaube sinnlos“, schreibt Paulus im ersten Korintherbrief. Nur wenn der Dreh- und Angelpunkt des Credos wieder in das Zentrum der kirchlichen Verkündigung rückt, geht es mit dem Christentum weiter – auch in Europa, wo eine Theologie, die eher um ihre eigenen Glaubenszweifel kreiste, als den Kern des Evangeliums immer wieder herauszuschälen, eine Spur der geistigen Verwüstung hinterlassen hat.


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