VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Ristorante Venerina
Borgo Pio 38
00193 Rom
Telefon (0039) / 06 686 4551

Der neue Bischof von Hildesheim hat der Mutter Kirche bescheinigt, der Machtmissbrauch, der in den Missbrauchsfällen Minderjähriger zu Tage getreten sei, stecke in ihrer DNA. Und weiter, dass Eugen Drewermann ein verkannter Prophet sei, den wir Ende der achtziger Jahre noch als einen hypnotischen „Kollegenfänger“ kennengelernt haben, dessen Hintermänner in Paderborner Hinterzimmern erklärten, bei dem Mann handle es sich um den größten Theologen der Welt seit Dr. Martinus Luther. Starke Stücke, mit denen sich der neue Bischof wohl zu Gehör bringen will. Doch das Böse in der DNA der Mutter Kirche? Ja, sagt der neue Oberhirt; deshalb dürfe sie auch nicht mehr länger als heilig verstanden werden. Das „Saatgut“ des mystischen Leibes Christi ist aber doch das Christkind in der Krippe, auf das wir in diesen Tagen vor Weihnachten noch warten. Kommt da also gerade nach der Kirche von unten die Kirche von morgen auf uns zu, nicht mehr heilig, nicht mehr eins (das ja schon seit ewig nicht mehr), nicht mehr katholisch, nicht mehr apostolisch, im Kern böse? Alles Lug und Trug, was wir unseren Kindern zu erzählen versuchten?

Da kommt eine SMS der Tochter mit einer push-Nachricht, nach der eine Generalstaatsanwältin der katholischen Kirche von Illinois bescheinigt, die Namen von mindestens fünfhundert Schweinepriestern zurückgehalten zu haben. Da wird es schwieriger, die Enkel noch einmal für den lieben Heiland und seine Heilstaten zu begeistern. Keine Frage, 2018 war ein „annus horribilis“, es war ein Scheißjahr, sagen wir unter uns, für die Kirche Christi. Da freut uns fast die Nachricht, dass Robert Spaemann „zu den Vätern versammelt“ wurde, damit wir endlich erkennen, dass uns mit ihm kein letzter Mohikaner verlassen hat, sondern der leibhaftige Oberhäuptling aller Apatschen als unser Fürsprecher ins Himmlische Jerusalem aufgebrochen ist, der uns ein enormes Erbe hinterlassen und reich beschenkt hat. Jetzt müssen wir selber ran.

Jetzt sehen wir auch, dass mit ihm endlich einmal kein wortklauberischer Philologe in der Theologie gewildert hat, sondern ein rotzfrecher Philosoph zum Kirchenvater unserer Tage geworden ist. Das alles ist gleich klar, als wir uns in der Venerina niederlassen, wo wir vor Jahren schon mal waren. Die Kartschoffen alla Romana sind in der Küche leider noch nicht so weit, nach denen uns der Sinn stand. Da lassen wir einen Teller Spinat aus der Pfanne kommen und – Seltenheit! – für den Chef Spaghetti Carbonara. Ganz gar ist aber schon die Weltsensation, die unsere Melanie von Claparède auf ihrer Recherche durch die Vereinigten Emirate aufgedeckt und jetzt von ihrem Morsesender unter dem Kreuz des Südens zugefunkt hat. Eigentlich ein alter Hut und dennoch in dieser Form ein Hammer. Der alte Hut: Dass – wie die Kirchenväter seit jeher wussten – die Lieblingsbeschäftigung des Teufels in der Nachäffung Gottes besteht. Der Hammer aber: Dass in der Schule Leonardos der Antichrist höchstpersönlich als lieber Heiland und Weltenherrscher daherkam, in einem mimetischen Meisterstück des Satans, in einer aberwitzigen ikonographischen Häresie, die letztes Jahr für den höchsten Preis aller Zeiten auf dem Kunstmarkt über die Theke gegangen ist. Gern schlagen wir unsere Melanie damit für alle vakanten Journalistenpreise vor, die die stolzen Kollegen des „Spiegels“ nach ihrem „mirrorgate“ gerade wieder „demütig“ herausrücken müssen, wie wir gelesen haben – und ordern als Secondo noch einen Teller Kutteln auf Erbsen, den wir brüderlich teilen, extrem köstlich. Dann nehmen wir noch Dirk Weisbrod mit seinem Meisterstück für Pater Wucherpfennig und dessen schwulen Freunde ins Heft und bestellen zum Nachtisch ein Stück Torta mit Birne und Ricotta. „Sehr ordentlich“ hat der Chef schon bei der Pasta gesagt und jetzt noch einmal: „Keine Klagen“, bevor er eine qualmen geht. Fertig ist die Laube. Das Heft ist wieder ein Sammlerstück geworden, nach dem demnächst über E-bay geforscht werden wird, nach dieser denkwürdigen Erst-Ausgabe unseres Magazins vom anno domini 2019.


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