VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Bibi
Brace e Cucina Via Germanico 170/C
Tel.: (0039) – 06 / 32 11 312
Sonntags: Fasten

Die Kirche Christi bricht auseinander und brennt. Doch keine Bange. Die Feuerwehr ist schon unterwegs. Der Santo Padre hat die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen nach Rom einbestellt – für Februar 2019! Und der Theologe Wunibald Müller macht über das Medienportal der deutschen Bischöfe in Würzburg mit der Empfehlung auf sich aufmerksam, der Papst solle zur Linderung unserer Leiden auf die Anrede „Heiliger Vater“ verzichten. Da gehen wir besser mal in Ruhe essen. Am besten wieder ins La Griglietta, das für Alexander Schwabe vom Publik-Forum einmal das Paradies war, als der Kollege noch für den SPIEGEL arbeitete. Doch Griglietta „schtonk“! Leider. Das Haus steht noch, aber das Lokal ist weg, und die hinreißende Familie, die aus ihrem Ofen die saftigste Tagliata mit nichts als geröstetem Radicchio hervorzuzaubern wusste, an die wir uns in Rom erinnern können. Jetzt finden wir nur das neue „Bibi“ hier, von dem wir noch nie gehört haben.

Wir setzen uns trotzdem an einen der Tische vor dem Lokal. Dienst ist Dienst, obwohl uns ganz mulmig zumute ist, und nicht nur wegen des Wechsels der Düfte und Aromen, die aus der Küche zu uns vor das Lokal wehen. Denn auch in der Gerüchteküche Roms kochen mehrere Töpfe gerade gleichzeitig über. Hier soll ein Kardinal dies getan und dort ein Prälat jenes beobachtet haben. Auf dem Forum Romanum ist das Dach der Titelkirche Kardinal Coccopalmerios ohne ersichtlichen Grund eingebrochen, dessen Rolle als Papstberater Benjamin Leven gerade in der Herder-Korrepondenz ausbreitet. Und aus dem Vatikan weiß Nikolaus Harbusch aus Berlin anhand der Veröffentlichung eines privaten Briefes Benedikts XVI. zu berichten, dass selbst den Papa emeritus der Zustand der Kirche wohl irgendwie besorgt. Wer hätte das gedacht? In Rom ist der Teufel los. Nach Schwefel riecht es trotzdem nicht, sondern aus der neuen Küche des Bibi eher fischig als fleischlich.

Heute ist das Fest des Apostels Matthäus, den Jesus aus Sündern und Zöllnern herausgefischt hat, von dem wir in unserem letzten Heft gelernt haben, dass es in der Kirche der Franzosen, wo Caravaggio die Szene gemalt hat, gar nicht so leicht ist, den Evangelisten unter all den Sündern herauszufinden, mit denen er da würfelt und bechert. Dass das Heilige nicht immer leicht vom Satanischen zu unterscheiden ist, ist also nicht ganz so neu. Doch jetzt soll morgen die große Sensation in der Sala Stampa des Vatikans veröffentlicht werden oder übermorgen. Was kann es wohl sein? Dass „Uncle Ted“ McCarrick von seinen Abenteuern in chinesischen Priesterseminaren erzählt, die er so lange im Auftrag des Vatikans besucht hat? Dass der Petersdom an Peking verkauft wird?

Auf dem iPhone kommt der Spiegel-Titel vom nächsten Samstag zu uns an den Tisch. Er zeigt Papst Franz in Kardinalsrot mit der Überschrift „Du sollst nicht lügen!“ Uns kann das nicht schrecken. Das hat doch der liebe Gott auch schon gesagt und – wie wir finden – völlig zu Recht. Aber schreibt der Spiegel jetzt vielleicht bei uns ab? Gut möglich, wenn auch mit leichter Verzögerung. Nach unserer Titel-Geschichte vom März 2001 über „Das Schreien der Lämmer“ kommen die Kollegen aus Hamburg jetzt mit einer Titelgeschichte über „Das Schweigen der Hirten“ nach. Haben die Lämmer damals vielleicht nicht laut genug geschrien? Kann sein. Jetzt tun sie es jedenfalls und davon erzählt heute Raphaela Schmid in einer Analyse aus Amerika, wie Sie sie nirgendwo anders lesen. Ex occidente lux! Wer wissen will, wie es in Europa werden wird, muss nach Amerika schauen. Oder auf unsere Raphaela hören. Auch Bernhard Müller und Erzbischof Gänswein sagen in diesem Heft, was zu sagen ist. Für die kommende Jugendsynode sind wir leider zu alt, als dass wir uns da hineinschmuggeln könnten. Und das ist gut so. Gut auch, dass die Krise endlich mit einem fürchterlichen Mythos aufgeräumt hat. Wir hatten nie Priestermangel! Wir hatten zu viele Priester! Laut dem Missbrauchsbericht hatte die katholische Kirche in Deutschland von 1946 bis 2014 mindestens 1670 Geistliche zu viel, die nie hätten geweiht werden dürfen.

Vergessen haben wir immer noch allerhand. Doch haben wir denn gar nichts gegessen? Doch, natürlich. Muscheln im Sud vor einem Steak und ein Lachs-Carpaccio auf schwarzem Reis vor einer Spigola aus dem Ofen. „Rundum gut!“ sagt der Chef, der hier draußen auch nach Herzenslust rauchen durfte.


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