VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Siciliainbocca
Via Emilio Faà di Bruno, 26
00195 Roma
Tel.: (0039) 06 / 373 584 00
Jeden Tag geöffnet

Sollte der Krieg der Geschlechter, der nun leider auch in der Kirche tobt, durch Waffen entschieden werden können, dann würden wir als Ort für die nächste Schlacht das „Siciliainbocca“ und für den ersten Waffengang Arancini empfehlen, mit denen wir unsere Konferenz eröffnen. Es sind knusprige sizilianische Geschmacksgranaten, nach deren Explosion im Gaumen sich eigentlich nur noch kapitulieren lässt. Zuerst waren wir vor siebzehn Jahren hier. Damals war das Lokal schon gut. Dann haben wir zuletzt an Mariä Himmelfahrt wieder versucht, hier einen Tisch für zwei zu bekommen. Doch es war so vergeblich wie der übliche Kampf gegen die dunklen Seiten unserer Seele. Das Haus war rappelvoll. Vielleicht sind wir darum heute auch zu früh hier und müssen noch einen Aperitif in der Bar gegenüber zu uns nehmen, bevor Siciliainbocca um 12:45 Uhr öffnet, an einem dieser legendären römischen Septembertage, mit vielen dunklen Nachrichten, die uns bedrängen, auch unter heftigem Dämonentoben, innerhalb und außerhalb der guten Mutter Kirche.

Nach der langen Sommerpause ist nun alles plötzlich ganz knapp bemessen. Dieses Heft wird gerade nach der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda zum so genannten „Synodalen Weg“ in Druck gehen, den viele für einen Irrweg halten, und von dem sich Bischof Voderholzer aus Regensburg vielleicht noch mit lautem Knall verabschieden wird. Hat es so etwas je gegeben? Fürchtet er denn als einziger Pater Langendörfer gar nicht mehr, den allmächtigen Sekretär der Konferenz und Architekten dieses neuen Weges?

Gleichzeitig kommen erste Teilnehmer der Amazonaskonferenz in Rom an, wo ähnliche Konflikte im Weltmaßstab anstehen, auf dem Weg zur „Pachamama“, der Mutter Erde, die sich gerade daranmacht, der Mutter Gottes ihren Platz im Himmel streitig zu machen. Aber da wird wohl ihr Sohn noch ein Wörtchen mitreden. Da wird er uns wohl eher selbst mit seiner Wiederkehr überraschen, wie wir diesen „Ernstfall der Existenz“ mit einem ersten Akkord in unserem Apocalypso anstimmen. Wir freuen uns jetzt schon darauf, zusammen mit dem neuen Heiligen John Henry Newman und seinen starken Trinksprüchen (dem dieses Heft eigentlich und zuerst gehört), und mit einer geschmorten Peperonata, die selten besser geschmeckt hat, mit köstlichen Spaghetti ricci di mare daneben (die nur einen winzigen Tick zu weich sind) und schneeweißem Baccalà in einer Soße aus Oliven, Tomaten, Kartoffeln und Paprika, wo dem kritischen Chef schon beim ersten Bissen ein „ausgezeichnet!“ entfährt. Das irdische Leben ist nicht schlecht, echt nicht, auch wenn es irgendwann einmal aufhört, doch das heute für uns zuerst noch einmal mit einem „Semifreddo di mandorle“ gekrönt wird, mit Schokoladenüberzug und zwei Löffelchen, und einem Amaro aus roten Blutorangen und Kaffee in Mokkatässchen mit Deckeln aus sizilianischer Keramik mit Blumen und diesem Kram. Wunderschön.

Die Lage der Kirche ist – nach einem komplizierten Sommer – hart und schwer. Doch so gut gegessen wie hier haben wir selten. Ganz Sizilien in einem Mund, die ganze Insel, auf der die Orangen blühen! Nach dem Nachtisch deshalb für unsere treuen Leserinnen und Leser noch einen kleinen Italienischkurs, zu dem uns die Konnotationen um den Namen des Lokals herum einladen: „Aqua in bocca!“ (Wasser im Mund) heißt so viel wie „Kein Sterbenswort darüber!“ weil sich mit Wasser im Mund ja nicht reden lässt. „Sicilia in bocca“, Sizilien im Mund mit all seinen Köstlichkeiten und muss da heute natürlich nur heißen: Nichts von dem, was wir in Rom alles erfahren und sehen, werden Sie in diesem Heft wiederfinden, weil Journalisten, die noch einen Funken Ehre im Leib haben, nie all das preisgeben werden, was sie wissen. Mit der Omertà der Mafia hat das nichts zu tun, wohl aber damit, dass Journalisten keine Richter oder gar Scharfrichter sein dürfen.

„In bocca al lupo!“ruft man hier übrigens auch noch jemanden zu, der einen schweren Gang antritt („In die Schnauze des Wolfs!“) – als eine Art ein römisches „Hals- und Beinbruch!“. Das wünschen wir deshalb auch dem Heiligen Vater und seinen Bischöfen auf ihrem schweren Weg: „In Bocca al lupo!“ – Die korrekte Antwort lautet dann in Rom darauf: „Crepi il lupo!“ Der Wolf soll verrecken! Das wünschen wir von Herzen auch, auch wenn es so heidnisch klingt wie ein Fluch vom Amazonas.


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