VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: L’Abruzzese
Ristorante Pizzeria
Via dei Gracchi, 18
00192 Roma
Tel.: (0039) 06 / 397 289 81
Montags geschlossen

Es ist der Festtag der heiligen Maria Alacoque, am 16. Oktober, und es ist wahrscheinlich das letzte Mal , dass wir Anno Domini MMIXX unser Mittagsmahl zur Redaktionskonferenz noch einmal draußen, im Freien, einnehmen können, wobei die Sonne dem Chef in die Augen brennt, aber er hat Gottseidank eine Sonnenbrille auf der Nase. Vor 17 Jahren waren wir schon einmal hier, und das Urteil der besten Ehefrau von allen war damals vernichtend. Deshalb haben wir uns bis heute nie mehr hierhin getraut. Doch inzwischen ist das Lokal quasi zur Kantine von Prof. Heid geworden, der uns ermutigt hat, es noch einmal mit dem „Abruzzese“ zu versuchen. Hier tun wir es.

Wie es uns geht, können Sie, liebe Leserin und lieber Leser, danach heute wohl am besten dem prophetischen Stück unseres alten Kollegen Lutz Ring-Eifel aus Berlin entnehmen, des Chefs der Katholischen Nachrichtenagentur, das wir dafür – als große Ausnahme – aus der Herder-Korrespondenz für Sie entliehen haben. Es gab, wie Sie alle wissen, schon weniger verwirrende Zeiten. Jetzt leben wir dagegen in eher verstörenderen Tagen – mit befremdenden Bildern. Von der Amazonas-Synode haben wir von dem erfahrensten Teilnehmer erfahren, das Niveau sei so niedrig wie noch nie. Andere schwärmen von neuer Lebendigkeit. Die website der deutschen Bischöfe stellt dazu den Entwurf einer „indigenen Kathedrale“ vor, mit einer „Öffnung im Dach, um die Kultur der Stämme zu respektieren, weil die Yanomami glauben, dass durch die Öffnung Geister hereinkommen, um mit ihnen zu kommunizieren.“ Vielleicht mit Pilzen statt Messwein? Fangen auch unsere Bischöfe gerade zu kiffen an mit Pater Langendörfer? Und welches Kraut raucht eigentlich Bischof Kräutler? Holy Smoke! Die Gesellschaften Westeuropas verlieren in der lautlosen Implosion der Kirchen „ihren archimedischen Punkt,“ schreibt Lutz Ring-Eifel dazu: „Der Nordstern des Systems, an dem sich alle – gegebenenfalls auch durch Abwendung von ihm – orientierten, verblasst, am Ende wird er unsichtbar“. Fast ist es, als sei die Amazonas-Synode dafür ein Versuchslabor, wo angebliche Eingeborene vor dem Heiligen Vater in den Vatikanischen Gärten vor Götzenbildern auf den Boden fallen und ihre Popos in die Höhe strecken. Tage später werfen junge Römer im Morgengrauen dieselben Götzen in den Tiber, in einer Rückkehr prophetischer Zeichenhandlungen. Klar, dass wir da noch einmal über Jesus Christus reden müssen, als dem wahren Polarstern unseres Glaubens – und über seine Wurzeln in der Offenbarungsgeschichte Israels.

Dazu als Vorspeisen: Frittierte Kürbisblüten mit Mozarella und Oliven Ascolane, sehr anständig. Eine Pasta wollen wir uns danach der schlanken Linie wegen sparen und gleich zum secondo hinübergleiten, das heißt zu einem gescheiten Stück Fleisch, bevor es verboten wird. Das Filet in Montepulciano-Wein hat auf dem Teller allerdings ein wenig die Anmutung der Losung eines Orang-Utans aus dem Regenwald. Schmeckt gut. Dazu als Beilage Wegwarte mit Chili und Knoblauch aus der Pfanne, die weder dem Auge noch dem Gaumen weh-, sondern nur wohltut.

Wir begrüßen dazu in Rom Papst Franziskus als neuen Autor unseres Magazins, während in Frankfurt im bischöflichen Haus am Bartholomäus-Dom der Film „Verteidiger des Glaubens“ gezeigt wird über das angeblich desaströse Wirken Joseph Ratzingers für die Kirche. Wir waren einmal Papst! So geht es zu auf dem synodalen Weg in Deutschland. Brüderlich. Seht, wie sie einander lieben! Ein Hoch auf die pastorale Synodalität! Das „Abruzzese“ aber hat den Test bestanden, auch wenn wir demnächst hier vielleicht Arrosticini anstelle des Montepulciano-Filets bestellen werden, unserer Augen wegen, die ja auch mitessen wollen, besonders in schwierigen Zeiten.

Doch heute vor genau 76 Jahren haben deutsche Soldaten im Jahr 1943 alle Juden Roms wie Vieh aus der Stadt zusammengetrieben und von den Apostelgräbern hinweg in den Tod nach Auschwitz transportiert, unter den Augen des ohnmächtigen Papstes, der so viele wie möglich von ihnen zu retten versuchte. Egal, wie uns heute also zumute ist: Es gab schon schlimmere Tage. Ein Jahr später hatte Roms Oberrabbiner Israel Zolli damals aber am Yom Kippur-Fest am Tiber in Roms großer Synagoge Jesus von Nazareth als Messias erkannt, ließ sich taufen und wählte Eugenio als neuen Vornamen, nach seinem Freund Pius XII. alias Eugenio Pacelli, die beide noch vom Evangelisten Johannes wussten: „Das Heil kommt von den Juden.“


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