VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Da Teo
Piazza die Ponziani, 7
00153 Roma
Telefon (0039) / 06 581 83 55
Sonntags geschlossen

Da Teo – verkürzt gesagt: Bei Gott! Das ist heute das Lokal, das wir brauchen. Denn es weihnachtet sehr, da möchten wir unser Mahl diesmal am liebsten auf dem Schoß seiner Mutter einnehmen, zumal die Themen, die sich Beobachtern unserer lieben Mutter Kirche zuletzt aufdrängen, oft nach Karneval anmuten. Über einen Tweet Professor Sanchez Sorondos, einem Chefberater des HeiligenVaters, den wir zuletzt bei den besten Steaks Roms im Dal Toscano gesehen haben, haben wir von zehn neuen Geboten gehört, diesmal zum Klimaschutz. Gebot Nr. X: Du sollst kein Fleisch essen! Im Frühjahr hatte der Monsignor noch von sich reden gemacht, als er in Rotchina den perfekten katholischen Sozialstaat entdeckt hatte. Dazu bläst die deutsche Theologenzunft derzeit orchestriert zur Hatz auf den vormaligen Glaubenswächter der katholischen Kirche. Und in China hat das erste Designer-Baby das Licht der Welt erblickt. Gut so! Denn im sechzehnten Jahrhundert pflegte der weise Rabbi Löw in Prag gern zu sagen, der Messias werde kommen, wenn Menschen ihre Hände nach dem „Baum des Lebens“ ausstrecken würden. Da wissen wir natürlich: Es ist Er, der wiederkommen wird, vielleicht schon recht bald. Sollen wir uns da nicht rundum freuen? Was denn sonst?

So kommt es, dass wir dieses Heft einmal ganz und gar zu einem Weihnachtsgeschenk machen wollen, als wir uns bei Da Teo niederlassen und fritierte Sardellen und Puntarelle-Salat mit allerfrischstem Mozzarella bestellen, mit Wasser und dem Weißwein des Hauses natürlich. Knuspriges Brot steht schon im Korb auf dem altrömischen Packpapiertischtuch, das sich besser als jeder Notizblock für Skizzen eignet. Da skizzieren wir dann gleich die wichtigsten Zutaten für dieses Heft wie für einen Christstollen. Als Erstes: „Ich will Dich lieben, meine Stärke“ von Angelus Silesius, das zwar kein Weihnachtslied ist, dafür aber eines der schönsten Lieder deutscher Zunge an den lieben Heiland überhaupt. Dann dazu – quasi als Marzipan – die Titelgeschichte über den nie endenden Film des Rosenkranzes im Heiligen Land. Plus Heinrich Seuse und Elsbeth Stagl von Barbara Wenz, als einer Geschichte, die in der Wohnung leuchtet wie ein Barbara-Zweig voll blühender Kirschblüten in dunkler Zeit. Von Dirk Weisbrod die Muttergottes von Absam und die Rosenkranzkirche aus dem alten Freimaurerviertel neben Benjamin Levens Abschied von Rom, nachdem der Kollege hier seit Februar 2017 das neugierige Gesicht der Herder-Korrespondenz war. Dazu bringt der Kellner Gianluca noch einen Teller arrabiater Nudeln „zum Probieren“ an den Tisch, als wir gerade unseren „Secondo“ bestellen: Ochsenschwanz für den Chef und gedünstete Fleischklöpse in Zitronensauce (solange wir das nach den neuen Zehn Geboten noch dürfen).

Über die Rosinen und Korinthen, die Mandeln, das Orangeat und Zitronat, den Zucker, Zimt und Kardamon dieses römischen Geschenkstollens für unsere Leserinnen und Leser sind wir uns danach in himmlischer Fügung fast von selbst einig. Zuerst als ein Löffel köstlichen Gänseschmalzes der prophetische und tröstende Ex-Jesuit Malachi Martin, vorgestellt von Stefan Meetschen. Dann die Analyse des Chefs zur dritten Konfession in Ravensburg, Markus Reders Adventsbrief an den fränkischen neuen Ministerpräsidenten der Baiern, ein Rückblick auf die Jugendsynode, der selige Karl von Österreich, Roms Krippen, Alexandra Linders Bahnhofsblues! Und stopp! Nachhaltig nährender kann kein Christstollen sein. Einen Ausnahmetext über den Frieden von Helmuth James Graf von Moltke aus Zeiten des Krieges muss deshalb in den Januar verschoben werden. Denn der Krieg in der Kirche über das, was wahr und was falsch ist, geht ja leider (und Gottseidank!) auch im neuen Jahr weiter – wenn uns nicht vorher der Himmel auf den Kopf fällt. Dann wollen wir auch der Frage nachgehen, was es eigentlich mit der „sexuellen Reife“ auf sich hat, die zuletzt als wichtigstes Kriterium eingeführt wurde, um Missbrauch zu verstehen und jeden weiteren zu verhindern. Die hätten wir auch gern, aber wie? Mit einem „sexuellen Reifezeugnis“ vom ZdK? Und gibt es das vielleicht auch über den zweiten Bildungsweg? Wer hier aber denkt, da wären wir unter dem Christbaum schon im Karneval angekommen, liegt nicht ganz richtig. Denn wenn Gott wirklich Mensch wurde, ist er „aus dem Schoß der Jungfrau“ ja als ein Sexualwesen geboren worden. Wer genau auf den lieben Heiland in der Krippe schaut, sieht deshalb auch, dass Gott mit allen Gliedern Mann geworden ist.


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