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Die pilgernde Redaktionskonferenz

Heute: Ni Hao – Ristorante Cinese
Via Vespasiano 13
00293 Roma
Tel.: (0039) 06 / 39 72 37 90
Ruhezeit: Sonntagabend

Von Mahl zu Mahl

Wir waren auf dem Weg zur „Tante Rilla“, die sich auf selbstgemachte Pasta spezialisiert hat und uns vor Wochen so freundlich aus ihrem neuen Lokälchen in der Famagosta-Straße angelächelt hatte. Das hätten wir gerne vertieft. Doch es regnete stark und der Chef hatte „Rücken“ und starken Hunger und sich außerdem im heißen Kairo eine böse Erkältung zugezogen – wo er auf den Spuren Martin Mosebachs und Michael Hesemanns – also quasi zweispännig – jenem Wunder Maryams auf der Spur war, bei dem unsere Gottesgebärerin – vor den Augen zahlloser Muslims und Christen! – am 2. April 1968 in Zeitoun in Kairo erschienen ist. Das jährt sich nun zum fünfzigsten Mal. Hatten Sie je davon gehört? Sehen Sie.

Auch diese Reise zur Peripherie unserer Wahrnehmung verdankt sich also mittelbar noch jenem letzten Seufzer auf den Lippen des heiligen Kiryollos Fawzy, dessen abgeschnittenen Kopf wir unseren glaubensstarken Leserinnen und Lesern im Juni 2015 auf unserem Titel zugemutet haben. Demnächst mehr zu dieser neuen Reise zu den Quellen, aus der Feder, der Kamera und dem Rechner des Chefs. Doch nun war er, wie gesagt, krank geworden, und da lachte uns auf dem Weg zu Tante Rilla das chinesische „Ni Hao“ gleich hinter der Piazza del Risorgimento mit seinen Papierlampions an.

„Ni Hao“ heißt auf gut Italienisch einfach „Ciao“ und macht italienischen wie chinesischen Gastwirten rechts vom Vatikan das Leben schwer mit ausgezeichneter chinesisch-japanischer Küche, einer riesigen Speisekarte und nicht zu unterbietenden Preisen, etwa mittags mit einem „All-you-can-eat-Angebot“ zu 11 Euro und 90 Cent. Genau dieses Angebot nehmen wir heute in Anspruch, zusammen mit einer Flasche Frascati „Terre dei Griffi“, trotz der Fastenzeit, weil wir in diesem Heft ja auch noch das Osterfest streng im Blick haben und das Fest der Menschwerdung Gottes am 25. März, wo wir der Verkündigung des Erzengels an Maria gedenken, in diesem Jahr alles am Palmsonntag. Wir könnten allerdings auch zwei Flaschen Frascati vertragen, und zwei Schnäpse dazu, nachdem wir gelesen haben, dass Erzbischof Marcelo Sánchez Sorondo, der argentinische Freund unseres Papstes, in der Volksrepublik China erkannt haben will, dass die katholische Soziallehre nirgendwo sonst wie dort verwirklicht werde – in eben jenem „Sklavenimperium“ also, das Kardinal Zen aus Hongkong in demselben Reich erkennt. Nun ist Monsignor Sánchez Sorondo nicht nur Freund von Papst Franziskus, sondern auch noch Kanzler seiner Akademie der Sozialwissenschaften. Es war kurz vor Karneval, als seine Einschätzung in der „Nuova Bussola Quotidiana“ veröffentlicht wurde, doch keiner hat gelacht.

Heute hingegen feiert die Kirche das Fest der Cathedra Petri. Steht da vielleicht zu befürchten, dass da demnächst auch noch die Mao-Bibel zur richtigen Bibel erklärt wird – entweder „ex cathedra“ oder von einer anderen rechten oder linken Hand des Heiligen Vaters? Muttergottes hilf! Und erscheine am besten bitte bald auch selbst einmal über dem Petersdom! Vor allen Römern und allen Chinesen, die seit langem schon um das Grab des Apostelfürsten herum auf Schnäppchen-Tour unterwegs sind und es wohl kaum abwarten können, auch den Vatikan auf ihren Teller zu heben wie eine knusprige Frühlingsrolle. Wir hingegen fangen im „Ni Hao“ mit einer Miso-Suppe an, genehmigen uns danach einen Teller grüner Algen mit Sesam (Wakame gome), teilen uns einen Teller Nudeln mit Meeresfrüchten in der Gußeisenpfanne und krönen die Konferenz auf japanisch – mit einer Portion fein zugeschnittener roher Thun-, Lachs- und Seehechtstücke (rot, rosa und weiß) mit Rettich, rattenscharfem Wasabi und eingelegtem Ingwer in Sojasauce.

Bevor wir aufbrechen, lassen wir uns aus diesem Heft aber auch noch Joseph Ratzingers „Einführung in das Christentum“ auf der Zunge zergehen, die vor fünfzig Jahren zeitgleich mit der Muttergottes in Kairo im Kösel-Verlag in München erschienen ist, nachdem der junge Professor zuerst in der Alma Mater in Tübingen mit diesem Buchwunder niedergekommen war. Es war eine Wasserscheide der theologischen Literatur des letzten Jahrhunderts und heute noch so frisch und bekömmlich wie am ersten Tag. Doch lesen Sie selbst. Aber war es das schon? All we can eat? Das genau ist das Problem. Wir könnten natürlich viel mehr, aber haben auch jetzt schon wieder viel zu viel gegessen – wie fast immer beim Chinesen. Das nächste Mal sehen wir uns deshalb bei Tante Rilla wieder. Solidarnosc! Es lebe die gescheite Konkurrenz der Systeme.


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