VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Taverna Varrone
Via Varrone 7
00193 Roma
Tel.: (0039) 06 / 689 28 54

Im Innern der alten Taverna im Viertel der schicken neuen Bistrots ist es noch dunkel, als wir die Treppe hinuntersteigen. Es ist 12.15 Uhr, wir sind ein wenig zu früh. Aber auch weltweit ist es in diesen Tagen noch dunkel, wo der POTUS (the „President of the United States“) der Nuklearmacht Russland gerade per Twitter mit seinen „hübschen Raketen“ droht („Get ready, Russia!“), während das FBI ihm immer dichter auf den Fersen ist. Der Patron des Varrone hingegen lädt uns dafür von unten schon freundlich in seinen Keller hinab – als gäbe es all diese Wolken nicht –, macht gleich Licht und zapft schon mal aus dem großen Fass in der Ecke einen halben Liter feinen Frascati für uns ab. Er heißt Aldo, seine Tochter Francesca und die Mamma in der Küche Carmen. Nach ihrem Nachnamen haben wir nie gefragt, weil es hier so zugewandt zugeht, als käme man jedes Mal nachhause. Die Familie kommt aus der Gegend von Monte Cassino, näher an Neapel als an Rom, wo das Latium noch hinreicht und die Campagna noch nicht beginnt.

In diesem Heft beginnt aber nun endlich China wieder für uns, das Reich der Mitte, das seine „Mitte sucht“, wie wir von dem schlauen Alexander Schwabe vom Publik-Forum gelernt haben. Jetzt aber können auch Alex aus Freiburg und seine Ya Li Lu und all unsere 1,2 Milliarden Chinesen noch etwas von Raphaela Schmid dazu lernen, die sich über den Atlantik hinweg über das Verhältnis von Bejing zur Una Sancta Catholica beugt und wie sich diese Beziehung entwickelt, an der sich vielleicht noch einmal das Schicksal und die Zukunft unseres blauen Planeten entscheiden könnten. Da können all unsere lieben Leserinnen und Leser schon einmal gespannt ihre Stäbchen neben dieses Magazin legen, während Aldo uns einen Vorspeisenteller des Hauses mit frittiertem Gemüse, gegrillter Paprika und Linsen an den Tisch bringt, an dem es nicht das Allergeringste zu meckern gibt.

Unsere Sorge ist ja eher, dass Rotchina mit der ungebrochenen Macht seiner KP die Kirche unseres Herrn und Erlösers kurzerhand aufkauft, wie sie es schon mit zahllosen Läden rund um den Vatikan gemacht hat, mit Angeboten, die keiner abschlagen kann. Dagegen setzen wir dem Lob des Bettelns in diesem Heft vor allem ein Denkmal mit unserer Erinnerung an Benedikt Joseph Labre, den heiligen Bettler, der ganz Rom beschenkte. Als unseren neuen Schutzpatron stellen wir ihn als herzliches Vergelt’s Gott auch gern allen Leserinnen und Lesern vor, deren Herz wir mit einem Bettelbrief erreichen konnten und die den Bestand ihres und unseres Magazins mit einem kleinen Osterwunder gerettet haben. Ansonsten stellen wir das Heft und den Weltfrieden dem ersten bekannten Gebet an Maria anheim (aus dem koptischen Ägypten natürlich) und Unserer Lieben Frau von Sheshan, während Aldo ein Stück feinsten Schwertfisch (alla Siciliana mit Kapern, Oliven und Tomaten natürlich) an den Tisch bringt und einen Teller Spaghetti allo Scoglio, sehr schmackhaft („saporito“), aber zu groß. Die Saison für Puntarella ist vorbei; damit auch der Winter in Rom. Dafür gibt es noch einen Teller grüner Spargel mit Zitrone und Öl und basta. Das Leben ist gut und könnte noch viel schöner sein ohne die Tweets des mächtigsten Fürsten dieser Welt und andere Machenschaften des Teufels, die selbst unseren heiligen Vater manchmal zum Stolpern bringen, der nun immerhin „schwere Fehler“ im Umgang mit der sexuellen Missbrauchskrise Chiles eingeräumt und sich dafür zerknirscht entschuldigt hat, nachdem er im Frühjahr einen chilenischen Kollegen noch mit den Worten abgebürstet hatte: „Es gibt keinen einzigen Beweis gegen Bischof Barros. Es ist alles Verleumdung. Ist das klar?“, oder Jaime Coiro, den Generalsekretär der chilenischen Bischofskonferenz, am 6. Mai 2015 auf dessen Hinweise über die Zustände in der Diözese Osorno trocken wissen ließ: „Osorno leidet, ja, und zwar an Dummheit.“ Vorbei und vergessen, Schwamm drüber, soll nicht wieder vorkommen. Stattdessen lassen wir Rod Dreher über jenes Wunder zu Wort kommen, mit dem Benedikt von Nursia der Welt schon im sechsten Jahrhundert zu Hilfe kam und bestellen einen sensationellen warmen Tartufo, plus Kaffee und Kippe für den Chef, ohne Schnaps, mit der Einladung an unsere Leserschaft: „Kommen’s ruhig die Treppe hinab!“ Hier unten bei Aldo ist es heller und herzlicher als auf manch sonnigem Boulevard der Hauptstadt der Welt.


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