VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Heute: Perdincibacco
Vinoteca – Cucina – Pinseria
Via delle Fornaci, 5/9
00194 Roma
Tel.: (0039) 06 / 63 25 27

„Irgendwas mit Gott“ soll „Perdincibacco“ bedeuten, verrät uns der Kellner: „Herrgottnochmal!“ oder so ähnlich. Das Lokal ist so etwas wie die neue Kantine des Chefs gerade um die Ecke seiner Werkstatt zur Herstellung dieses Wundermagazins. Perdincibacco! Der Begriff klingt römisch und kann sicher nur den ollen Bacchus meinen und nicht unseren lieben Heiland. Das kann der junge Kellner aber kaum wissen, der aus Bangladesh stammt und Md. Mofadschal Hussein heißt, wie er uns auf die Serviette schreibt, wobei Md. für Mohammed steht und Mofadschal für den arabischen Beinamen „Apfel“. Das Früchtchen bedient uns jedenfalls tadellos im Angesicht des alten Papstpalasts, der jetzt verwaist auf uns herabschaut, seit Benedikt sich in sein Kloster zurückgezogen hat, von wo er vor seinem 92. Geburtstag nun noch einmal die Schriftgelehrten und sprungbereiten Lohnpolemiker der Deutschen Bischofskonferenz aufgescheucht hat, als wäre er der Buhmann selbst. Viele von ihnen hat der alte Herr kalt erwischt. Das freut uns natürlich, geben die Causa zur Begutachtung aber dennoch an unseren Albert Christian Sellner in Frankfurt und Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz in Erlangen weiter. Bitte anschnallen.

Einen Block weiter haben wir gestern in der Vittoria den Einstand Dirk Weisbrods gefeiert als neuen Mitherausgeber dieses Magazins. Doktor Weisbrod entstammt der Garde der jungen Hirsche, ist kein Mohammedaner, sondern Moselaner aus dem DNA-Pool des Nikolaus von Kues mit Riesling in den Adern, und ein begnadeter Bibliothekar der Schriftschätze von gestern und Informationswissenschaftler der Hieroglyphen von übermorgen, den wir hier keinem mehr vorstellen müssen. Dennoch hat er es sich nicht nehmen lassen, für dieses Sonderheft mit seinem Foto-Essay über die Notre-Dame noch einmal seine Visitenkarte zu hinterlegen plus dem Gedicht Paul Claudels, das er für uns ausgegraben hat. Doch Sonderheft? Natürlich. Diese österliche Zeit war eine Wasserscheide der Zeite, wo nicht nur der Anfang des wahren Kreuzwegs Christi in Roms freigelegter Scala Santa wieder zu Tage trat, sondern auch die Dornenkrone des „Königs der Juden“, die die Flammenhölle des Dachstuhls der Notre Dame zum letzten Karfreitag wieder frei gegeben hat – als „einzige Krone des Erdballs, die niemals wackelt“, wie Dottore Weisbrod sagt. Da würde ihm wohl auch der Papa emeritus Recht geben, dessen Stimme aus der Mater Ecclesiae – wie gesagt – die Festen der Una Sancta mit einer letzten Enzyklika fast so zu erschüttern schien wie es früher vielleicht nur noch die Ankunft des Antichrists Arm in Arm mit Quasimodo vermocht hätte, dem Glöckner von Notre Dame mit seinem Sturmgeläut.

Nur wir sind wieder einmal cool und unerschüttert und bestellen zum Wein des Hauses als Antipasti einen Teller mit geschmortem Gemüse, Wurst, Schinken, Käse, dem ganzen römischen Allerlei eben, und gleich danach eine Bistecca für den Chef, der es wieder eilig hat, neben einer halben Portion Rigatoni mit geriebenem Pecorino-Käse und Speck aus der Erdbebenstadt Amatrice plus Stockfisch mit Kartoffeln, Tomaten und einem Faden Öl für den alten Herausgeber. Peter Stephan aus Potsdam berichtet dazu über ein Schelmenstück aus Aix la Chapelle über der „Kaiserin neue Kleider“, leider auch so durchsichtig wie die berühmten alten des Kaisers. Denn nun soll die „Kaiserin von Aachen“ aus der karolingischen Pfalzkapelle Karls des Großen zum Gotterbarmen neu eingekleidet werden – als letzter Schritt vor einer gendergerechten Umbenennung der Gottesmutter und ihres Sohnes. Perdincibacco! Für den Anbau des gotischen „Glashauses“ an das Oktogon von Karls Pfalzkapelle stand im Hochmittelalter die Sainte Chapelle in Paris noch Modell, die der heilige König Ludwig IX. für die Dornenkrone hatte errichten lassen. Jetzt haben die Aachener leider versäumt, in Paris noch rechtzeitig den Rat Karl Lagerfelds für ihren modischen Fehltritt einzuholen. Uns aber bringt Mohammed „Apfel“ noch einen Korb mit knusprigstem frischem Brot an den Tisch ins Freie, mit dem wir in aller Ruhe die Soße des Stockfischtellers auftunken, als sei es ein Nachtisch, während der Chef schon wieder nebenan vor seinem Rechner sitzt und an diesem Magazin weiterarbeitet, dessen Hitze und Wohlgeschmack sich heute im „Herrgottnochmal“ auch dem allerbesten Holzofen in der Nähe von Sankt Peter verdankt.


Sie lesen die Vorschau

e-paper-abo

Schließen Sie jetzt ein E-Paper-Abo ab, um vollen Zugriff auf alle Artikel zu erhalten

Abonnieren

print + e-paper-abo

Schließen Sie jetzt ein Printabo ab mit E-Paper-Zugriff auf alle Artikel.

Abonnieren

einzelausgabe

Kaufen Sie diese Ausgabe als E-Paper-Einzelheft und bezahlen Sie bequem per PayPal.

kaufen

Sie lesen die Vorschau

abonnieren

Schließen Sie jetzt ein E-Paper-Abo ab, um vollen Zugriff auf alle Artikel zu erhalten

Abonnieren

einloggen

einzelausgabe

Kaufen Sie diese Ausgabe als E-Paper-Einzelheft und bezahlen Sie bequem per PayPal.

kaufen