VATICAN-magazin

Die pilgernde Redaktionskonferenz

Von Mahl zu Mahl

Heute: Temakinho
Borgo Angelico, 30
00193 Roma
Tel.: (0039) 06 / 693 693 22

Das Lokal um die Ecke, in dem uns ein ranker Brasilianer lässig bedient, hat etwas von einem schwulen Geheimtipp an sich und ist doch zur Mittagszeit vor allem von jungen Frauen bevölkert, die sich nach alten Herren wie uns nicht groß den Hals verrenken. Hier verstehen wir nicht viel, auch nicht von der Speisekarte, die wie der Name des Lokals portugiesisch sein soll, wo die Gerichte aber vor allem japanisch erscheinen, nur vielleicht einen Tick verspielter. Es gibt hier auch keine Messer und Gabeln oder chinesisch-japanische Stäbchen, sondern eine Art Holzzange zum Selberbasteln für solche, die nicht mit Stäbchen essen können.

Seit fünf Jahren soll man hier schon essen, sagt der Mann in der Bar im Erdgeschoss, doch bis es für uns soweit ist, müssen wir uns zuerst 91 Stufen hochwuchten hinauf zur Dachterasse zu wackeligen Garten-Tischchen, wo es schön ist, aber auch noch ein wenig zugig in diesem „Sahara-Sommer“, vor dem die Bildzeitung warnt und in dem wir uns jetzt schon zwei Erkältungen eingefangen haben. Große Streuer mit schwarz-weißen Sesamkörnern warten auf dem Tisch? Warum? Fragen Sie uns nicht. Es gibt auch kein Brot.

Es ist uns heute aber auch ein wenig wurscht, weil uns dieses Bombenheft so in Beschlag nimmt. Denn Bernhard Müller, unser Herausgeber und einer der Twin-Towers von Immenried, ist dem erfolgreichsten ökumenischen Projekt Deutschlands auf die Spur gekommen, das er hier vorstellt, nachdem er vor acht Jahren schon einsam wie Prinz Eisenherz und erstmals die Schmuddelseiten des damals noch übermächtigen katholischen Weltbild-Verlages aufgeschlagen hatte. Seine neue Enthüllung: Die Ökumene in Deutschland ist weit fortgeschritten und fast schon am Ziel der Vereinigung aller Konfessionen, in unserer Ökumene des Abfalls, der Häresie und des Unglaubens an die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und der Kirchenflucht quer durch die Konfessionen. Am stabilsten und belastbarsten aber ist im Land Luthers inzwischen die Ökumene des Geldes unter den Konfessionen. Wie sollen wir das Stück jetzt aber nennen? Skandal der Skandale? Würde passen, doch auf dem Titel hat Manfred Lütz inzwischen das Copyright, vielleicht ein bisschen voreilig. Denn inzwischen hat Bischof Wilmer in Hildesheim auch Greta Thumberg in Paderborn zur „Prophetin“ erklärt und den jungen Schulschwänzern der „Fridays for Future“- Bewegung bescheinigt, dass sie endlich deutlich machen, was es heiße, an den dreieinigen Gott zu glauben: „Kreativ wie der Schöpfergott, geistreich wie der Heilige Geist und hellwach wie Jesus Christus.“ Na dann. Da brauchen wir uns um die Zukunft ja keine Sorgen zu machen, wie es auch der Chef in seiner Disputa zur Reformation 2.0 darlegt, parallel zum Kirchenstreik 2.0, in dem mit einem Gebets- und Eucharistie-Streik für die Erneuerung der Kirche in Deutschland gestreikt wird. Auch da kann da ja endlich gar nichts mehr schiefgehen, wo wir schon die Morgenröte der neuen Zeit über dem Horizont aufleuchten sehen. Oder ist es vielleicht doch ein anderer Schein? Könnte auch sein, wenn wir das Interview mit A. C. Sellner lesen, den alten Kampfgenossen Dany „le rouge“ Cohn Bendits, der heute eher ernüchtert auf eine Reihe alter Heilsversprechen zurückblickt – und deshalb für uns auch ein Vorwort zu jenem letzten Hirtenbrief verfasste, mit dem der 92-jährige Benedikt XVI nun mit brennender Sorge sein selbstgewähltes Schweigen noch einmal unterbrochen hat.

Die Gerichte, die wir dazu verzehren, sind allesamt lecker, aber auch auf den iPhone-Fotos nicht mehr richtig zu unterscheiden. Geschmacklich bleiben sie allesamt ein wenig als Sushis mit Obstsalat in Erinnerung. Doch wenn Sie heute richtigen Trost brauchen, fangen Sie am besten bei Ihrer Lektüre dieses Heftes mit dem Gedicht von Les Murray auf Seite 66 an – oder mit der Vorstellung einer Einladung an einen „Lieben Freund“ auf Seite 28 und verteilen Sie diese Einladung, wo Sie nur können, als Einladung des lieben Heilands persönlich. Danke.

Ganz am Schluss essen wir auch noch die Blüten mit auf, mit denen die Gerichte hier angerichtet sind. Doch Stiefmütterchen? Alpenveilchen? Fragen Sie nicht welche. Sie waren weiß und rosa Wir verlassen das Lokal mit leichtem Hunger. Den brauchen wir auch, sonst könnten wir mit diesem Heft Schluss machen und in Rente gehen.


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