VATICAN-magazin

Disputa

Jetzt ist etwas angebrannt

Der deutsche Kommunionstreit stellt die Arbeitsweise der Bischofskonferenz in Frage

Der Kommunionstreit der vergangenen Wochen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz hat vorgeführt, dass dieses Gremium an seine Grenzen kommt: Wenn der Vorsitzende und das Sekretariat der Konferenz eine Sonderregelung von oben durchdrücken wollen, wogegen sich dann eine qualifizierte Minderheit sperrt. Wenn weltkirchliche Belange und Regelungen des universal geltenden Kirchenrechts berührt sind, die nationale Sonderwege ausschließen. Und wenn Fragen des Glaubens, der Sakramente und der Kirchenlehre im Spiel sind, die über die reine Pastoral und die Koordination in praktischen Fragen hinausgehen. Bereits in der vergangenen Ausgabe des Magazins waren deshalb Kompetenzen und Befugnisse der Bischofskonferenzen Thema der Disputa. Der Autor kam zu dem Ergebnis, beim deutschen Kommunionstreit sei noch nichts angebrannt. Inzwischen ist aber ganz ordentlich etwas angebrannt. Weil einige Bischöfe die als „Orientierungshilfe“ veröffentlichte „Pastorale Handreichung“ nun schon anwenden und der neue Würzburger Bischof die Verwirrung nochmals gesteigert hat, als er bei diözesanen Jubiläumsfeiern evangelische Ehepartner zur Eucharistie einlud – ohne geistliche Notlage und ohne Prüfung des Einzelfalls. Unser Autor hat sich als Kirchenhistoriker mit der Zeit befasst, in der regionale Bischofs- und Klerikerversammlungen entstanden sind und nimmt die Geschichte in den Blick, auch die der Deutschen Bischofskonferenz nach dem Konzil. Er plädiert für eine Reform der Bischofskonferenzen und deren Abgrenzung von den Synoden der Provinzialkirchen, die als eigentlicher Ort der kollegialen Ausübung einer sakramental begründeten bischöflichen Vollmacht neu in den Blick zu nehmen sind.

Die Lithographie zeigt die erste deutsche Bischofsversammlung, die vom 22. Oktober bis 16. November 1848 in Würzburg stattfand.
Foto: Diözesanarchiv Würzburg

Wenn ein Apparat den Episkopat entmachtet

Sie haben keine theologische Natur: Was Bischofskonferenzen tatsächlich leisten sollen und wie eine authentische Form des kollegialen bischöflichen Handelns neu zu beleben wäre

von Walter Kardinal Brandmüller

Insofern die Kirche Jesu Christi, unbeschadet ihres übernatürlichen Charakters als Corpus Christi mysticum, auch eine in dieser Welt existierende Gemeinschaft von Menschen ist, unterliegt sie in gewissem Maße auch den daraus resultierenden, also soziologischen Gesetzen. In der konkreten Gestaltung des kirchlichen Lebens zwischen beiden Wesenselementen, dem natürlichen und dem übernatürlichen, die Balance zu wahren, ist niemals leicht gewesen, und die Versuchung, sich weltlichen gesellschaftlichen Modellen anzugleichen, war und ist allgegenwärtig. War es früher Feudalismus oder Monarchie, so ist es heute die Demokratie, die sich zur Übernahme, zur Nachahmung in der Kirche empfiehlt.


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