VATICAN-magazin

Disputa

Treue versus Barmherzigkeit?

Vom Versuch, die Liebe zu den Menschen gegen die Liebe zur Wahrheit des Glaubens auszuspielen

Vom 30. Januar bis zum 1. Februar tagt im Frankfurter Tagungszentrum Spenerhaus die erste Versammlung des Synodalen Wegs, die zweite Synodalversammlung folgt dann erst im Herbst 2020. Doch der eigentliche Synodale Weg findet in den katholischen Verbänden und Medien statt, in denen immer wieder maximale Forderungen an diesen Akt kirchlicher Selbstvergewisserung formuliert werden, die an die Substanz des Glaubens und die Einheit mit der Weltkirche gehen. Der von den deutschen Bischöfen angestoßene Prozess solle zu verbindlichen Ergebnissen führen, was die priesterliche Lebensform, die Teilhabe von Frauen an den Diensten und Ämtern in der Kirche und die Sexualmoral angeht. Dabei wird immer wieder versucht, denen, die treu zur Glaubenslehre und Praxis der Catholica stehen, Starrheit, Dogmengläubigkeit, Unbarmherzigkeit und Pharisäertum vorzuwerfen. Sie würden der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute mit liebloser Verachtung begegnen. Der Autor des folgenden Beitrags hält diesen Vorwurf für zutiefst ungerecht und begründet auch, warum.

Christus vor Pilatus. Duccio di Buoninsegna Altarretabel des Doms von Siena, 1308–1311.
Foto: Xpress

Wir haben an die Liebe geglaubt

Der Synodale Weg sei jetzt die letzte Chance für die Kirche, heißt es. Keine Sorge: Die Kirche wird auch diesen Rettungsversuch überleben

von P. Engelbert Recktenwald FSSP

Credidimus Caritati“ – „Wir haben an die Liebe geglaubt“. So lautete der Wahlspruch im Wappen von Erzbischof Marcel Lefebvre. Ausgerechnet von ihm? „Der hatte es doch mehr mit dem Glauben als mit der Liebe!“ So könnte der verwunderte Ausruf eines Katholiken lauten, der dem heute weitverbreiteten Narrativ aufgesessen ist, das einen Gegensatz zwischen Glaube und Liebe konstruiert, genauer gesagt: zwischen Rechtgläubigkeit einerseits und „großzügiger“ Liebe andererseits. Rechtgläubigkeit wird mit Einengung und Bevormundung assoziiert, Liebe mit Befreiung davon. Auf der einen Seite haben wir demnach den engstirnigen Fundamentalisten, auf der anderen Seite den menschenfreundlichen Seelsorger, hier den lieblosen Pharisäer, dem der wahre Glaube wichtig ist, dort den modernen Barmherzigkeitsprediger, dem die Menschen wichtiger seien. Er nehme es deshalb mit den Dogmen nicht so genau. Das sei ein Ausweis seiner Menschenliebe. Liebe als Gegeninstanz zum Glauben, Wahrheit als Einschränkung der Freiheit: Diese Konstruktion hat sich in den Köpfen vieler Zeitgenossen festgesetzt.


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