VATICAN-magazin

Disputa

Die Christen am Wendepunkt

In seinem Buch „Die Benedikt-Option“ geht Rod Dreher von der zentralen These des schottischen Philosophen Alasdair MacIntyre aus, der in seinem 1995 auf Deutsch bei Suhrkamp erschienenen Buch „Der Verlust der Tugend“ schreibt: „Es stellte einen entscheidenden Wendepunkt in der älteren Geschichte dar, als Männer und Frauen mit guten Absichten Abstand davon nahmen, das Römische Imperium zu stützen und aufhörten, den Fortbestand der Zivilisation und der moralischen Gemeinschaft mit dem Fortbestand dieses Imperiums gleichzusetzen. Stattdessen machten sie sich daran, oft ohne genau zu erkennen, was sie taten, neue Formen von Gemeinschaft aufzubauen, in denen das moralische Leben aufrechterhalten werden konnte, so dass Moral und Zivilisation die heraufziehende Zeit der Barbarei und Finsternis überleben konnten. Wenn meine Darstellung unserer moralischen Lage richtig ist, sollten wir ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass auch wir nun seit einiger Zeit ebenfalls diesen Wendepunkt erreicht haben.“ Erzbischof Georg Gänswein hat Drehers Buch am 11. September in Rom vorgestellt. Im Folgenden die leicht gekürzte Fassung der Worte Gänsweins.

„Wir haben eine Krise des Klerus. Darum hat nun die Stunde der souveränen Laien geschlagen“

Am 11. September hat der Präfekt des Päpstlichen Hauses im italienischen Parlament Rod Drehers Buch „Die Benedikt-Option“ vorgestellt. Es ging um eine Strategie für Christen in der nachchristlichen Gesellschaft des Westens – aber auch über die aktuellen Missbrauchsskandale der Kirche

von Erzbischof Georg Gänswein

Der Mönchsvater aus Norcia, dem das Buch seinen programmatischen Titel verdankt, hatte mich sehr gereizt, hierher zu kommen. Aber auch das Datum hat mich sehr berührt und bewegt. Denn es ist ja der 11. September, der in Amerika seit dem Herbst 2001 nur noch als „Nine/Eleven“ bezeichnet wird, um an jenes apokalyptische Unheil zu erinnern, in dem damals Mitglieder der Terrororganisation Al Khaida in New York und Washington die Vereinigten Staaten von Amerika vor den Augen aller Welt angriffen – wobei sie voll besetzte Passagiermaschinen, die sie im Flug gekapert hatten, als Granaten benutzten. Je mehr ich mich im Hurrikan der Nachrichten der letzten Wochen über das Buch Rod Drehers beugte, musste ich nach der Veröffentlichung des Berichts der Grand Jury von Pennsylvania unser Zusammentreffen heute Abend nur noch als einen Akt göttlicher Fügung begreifen, wo nun auch die katholische Kirche voller Entsetzen auf ein eigenes „Nine/Eleven“ schauen muss, auch wenn diese Katastrophe leider nicht nur mit einem Datum, sondern mit vielen Tagen und Jahreszahlen und mit zahllosen Opfern verbunden ist.


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